Kommentar
Dynamische Preise lösen nicht alle Probleme der Skigebiete

Aufgrund des veränderten Freizeitverhaltens gibt es in den Schweizer Skigebieten grosse Überkapazitäten. Dynamische Preise werden deshalb kaum zu einer Belebung des Geschäfts führen.

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Der Blick von Pointe de l’Au Richtung Westen auf die Dents Blanches (links) und die Schweizer Seite des Skigebietes Portes du Soleil.

Der Blick von Pointe de l’Au Richtung Westen auf die Dents Blanches (links) und die Schweizer Seite des Skigebietes Portes du Soleil.

Sébastian Lavoyer

«Alles fährt Ski»: Der Refrain des Liedes von Vico Torriani gilt schon lange nicht mehr. Die Zahlen der Skifahrerinnen und Snowboarder auf Schweizer Pisten, sie tun dasselbe, was die Gletscher tun: Sie schrumpfen. Im letzten Jahr gab es nach einer jahrelangen Talfahrt zwar einen Ausreisser nach oben – dem vielen Schnee, dem guten Wetter und dem erstarkten Euro sei Dank. Eine Trendwende war das aber nicht. Die Zeiten werden nicht ins Jahr 1963 zurückgedreht, als Torrianis Hit an jedem Skilift gespielt wurde, als Skifahren noch als Nationalsport galt. Zu gross ist die Freizeitkonkurrenz heutzutage. Nur ein Beispiel: Man kann heute im Winter günstiger an den Strand fliegen, als Skiferien zu machen.

In diesem Umfeld müssen die Schweizer Bergbahnen kräftig investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wer heute in die Berge fährt, der erwartet moderne und sichere Anlagen. Die Infrastruktur für künstliche Beschneiung nimmt wegen des Schneemangels eine immer grössere Bedeutung ein. Dabei gilt: ein Kilometer Piste, eine Million Franken. 2017 verdienten zwei Drittel der Skigebiete nicht genug Geld, um Investitionen in neue Anlagen aus eigener Hand zu finanzieren. Die öffentliche Hand oder private Mäzene müssen einspringen.

Mit neuen Preismodellen, Rabatten und Gutscheinen versuchen die Skigebiete, mehr Kundschaft auf ihre Pisten zu locken. Die neuste Entwicklung: dynamische Preise. Je nach Wetter, Wochentag oder Nachfrage ändert sich der Preis für eine Tageskarte. Dadurch können die Bergbahnen das Schlechtwetterrisiko auf die Kundschaft abwälzen und neues Klientel anlocken. So weit die Theorie. Noch sind die Erfahrungen zu klein, um den Erfolg seriös messen zu können. Die ersten Skigebiete sind allerdings zufrieden.

Dennoch: Neue Preismodelle werden nicht sämtliche Probleme der Skigebiete lösen können. Der Wintertourismus bleibt ein volatiles, mit hohen Risiken behaftetes Geschäftsmodell. Es braucht nur zwei, drei grüne Weihnachten und schon wird es für zahlreiche Destinationen kritisch. Zudem gibt es aufgrund veränderter Freizeitgewohnheiten in den Bergen grosse Überkapazitäten. Dynamische Preise werden daher kaum zu einer Belebung des Geschäfts führen.