Schweinebauern-Krise
Doppelmoral beim Fleischkauf

Schlechte Zeiten für Schweinebauern: Die Preise sind im Keller, ihr Betrieb rechnet sich kaum mehr. Der Kommentar.

Pascal Meier
Pascal Meier
Drucken
Die Schweinebetriebe werden immer grösser, deren Produktion wird professioneller und die Zucht mit immer mehr Ferkeln pro Muttersau effizienter.

Die Schweinebetriebe werden immer grösser, deren Produktion wird professioneller und die Zucht mit immer mehr Ferkeln pro Muttersau effizienter.

Chris Iseli

Schweinefleisch ist für Schnäppchenjäger derzeit gefundenes Fressen. Ob 30, 40 oder 50 Prozent Rabatt: Die Grossverteiler überbieten sich mit Aktionen. Eine andere Zahl steht auf der Kehrseite der Medaille: In 20 Jahren ist die Zahl der Schweinehalter in der Schweiz von etwa 36 000 auf 7000 eingebrochen. Schuld sind zu einem grossen Teil die Bauern selber: Sie verkaufen zu viele Schweine, und weil sie dafür wegen tiefer Nachfrage einen schlechten Preis bekommen, werfen sie noch mehr Fleisch auf den Markt. Das kann nicht gut gehen.

Die Bauern haben zudem ein anderes Problem: die Doppelmoral der Konsumenten. Diese fordern immer strengere Tierschutzvorschriften. Mehr Auslauf, zum Beispiel, oder weniger Hormone und keine Antibiotika. Den Aufpreis für eine tiergerechtere Haltung aber wollen nur wenige berappen. Laut dem Produzentenverband Swissporcs wird etwa die Hälfte des Schweinefleisches nach den Tierschutz-Programmen des Bundes mit tierfreundlicheren Ställen und mehr Auslauf produziert. Bauern, die hier freiwillig mehr tun, kostet das eine Stange Geld. Zu einem fairen höheren Preis kann jedoch nur etwa ein Drittel dieses Fleisches verkauft werden. Die Nachfrage nach Label-Fleisch ist schlicht zu gering.

Wenns ums eigene Portemonnaie geht, ist also vielen Schweizern, die mehr Tierschutz fordern, das Tierwohl egal. Eindrücklich zeigt sich diese Doppelmoral bei der Bio-Qualität, die in der öffentlichen Wahrnehmung voll im Trend liegt und für welche Grossverteiler kräftig die Werbetrommel rühren. Beim Schweinefleisch beträgt deren Anteil gerade mal drei Prozent.

Schweinebauern in der Krise
8 Bilder
Fr. 3.30 erhält Räss derzeit pro Kilo Schlachtgewicht Schweinefleisch.
Bauer Alexander Räss «Wir stecken tief in einer Krise»
Im Sommer 2014 lag der Kilopreis noch bei Fr. 4.70, Ende der 1990er-Jahre gar bei Fr. 5.70.
Die Ladenpreise sind deshalb eingebrochen, weil die Bauern seit Jahren viel Fleisch produzieren.
Die Schweinebetriebe werden immer grösser. Die Produktion wird professioneller und die Zucht mit immer mehr Ferkeln pro Muttersau effizienter.
Die Fleischmenge nimmt wegen der erhöhten Effizienz nicht ab.
Alexander Räss: «Wir leben von der Hand in den Mund und können keine Investitionen mehr finanzieren.»

Schweinebauern in der Krise

Chris Iseli