Gruppenpraxen
Die Zeche zahlt der Prämienzahler

Investoren setzen auf Gewinne mit Gruppenpraxen. Das Nachsehen haben dabei die Prämienzahler.

Roman Seiler
Roman Seiler
Drucken
Teilen

KEYSTONE

Gut geführte Gruppenpraxen sind gut für Patienten. Vier Augen sehen auch bei Kranken mehr als zwei. Zudem gilt: Lässt sich jemand stets zuerst in einer Gruppenpraxis behandeln, gewährt ihm seine Kasse einen Rabatt auf der Grundversicherung. Die Einschränkung der freien Arztwahl spart Kosten ein.

Doch genau diese Einsparungen stehen auf der Kippe: Schlaue Investoren haben gemerkt, dass mit einer Gruppenpraxis eine Umsatzrendite von fünf bis zehn Prozent erzielt werden kann. Überziehen Spitäler und branchenfremde Geldgeber die grossen Agglomerationen mit ihren Praxen, kehrt der Trend. Dann führt das zu mehr medizinischen Behandlungen. Nur so lassen sich die teuren Infrastrukturen auslasten.

Das belastet dann die Prämienzahler, also uns alle. Ambulant durchgeführte Behandlungen in Gruppenpraxen werden mit dem Einzelleistungstarif Tarmed abgerechnet. Das heisst: je mehr, desto höher die Rechnung. Diese Medizin nützt also dem Investor. Ist es ein Spitalbetreiber, hat er gleich einen doppelten Anreiz zur Mengenausweitung: Die Ärzte weisen ihre Patienten ihrem Arbeitgeber zu, wenn sie stationär behandelt werden müssen.

Krankenversicherer müssen also noch stärker darauf achten, nur mit Gruppenpraxen Entschädigungsmodelle auszuhecken, welche die Kosten in Grenzen halten. Die Kantone müssen dazu gebracht werden, nicht nur stationäre, sondern auch ambulante Behandlungen zu subventionieren. Nur so lässt sich verhindern, dass es sich für die Kantone als Spitalbetreiber lohnt, möglichst viel ambulant durchzuführen.