Kommentar
Die westliche Klima-Arroganz

Viel zu oft verlangen reiche Europäer von armen Staaten Verzicht, weil gerade Klimakrise ist. Das geht nicht. Ein Kommentar.

Leo Eiholzer
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Nepal plant einen Flughafen mitten in einem Waldgebiet zu bauen – möglicherweise mit Beteiligung des Flughafens Zürich (im Bild).

Nepal plant einen Flughafen mitten in einem Waldgebiet zu bauen – möglicherweise mit Beteiligung des Flughafens Zürich (im Bild).

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Reiche Staaten handeln arrogant, wenn sie armen Ländern den Weg in den Wohlstand durch fossile Energie versperren wollen. Schliesslich haben sie es in den letzten Jahrzehnten deshalb zu einem hohem Lebensstandard gebracht, weil sie wenig Rücksicht auf die Natur genommen und Erdöl und Kohle in rauen Mengen verbrannt haben. Als Klimasünder von anderen zu verlangen, es uns nicht gleichzutun und deshalb auf einen höheren Lebensstandard zu verzichten, ist fadenscheinig.

Aktuell zeigt sich das in Nepal: Das Land plant einen Flughafen mitten in einem Waldgebiet zu bauen – möglicherweise mit Beteiligung des Flughafens Zürich. Dafür müssten über zwei Millionen Bäume gefällt werden. Das bringt seltene Tiere in Gefahr und ist schlecht fürs Klima. Der politische Vorstoss, der die Zürcher und damit die Nepalesen hindern will, kam prompt.

In diesem Fall geht es um ein sensibles Gebiet, dem man ausweichen sollte. Aber viel zu oft verlangen reiche Europäer von armen Staaten Verzicht, weil gerade Klimakrise ist. Das geht nicht. Wir haben für Wohlstand Moore trockengelegt (übrigens genau dort, wo heute der Flughafen Zürich liegt), Flüsse umgeleitet, Grossraubtiere ausgerottet und den Wald drastisch gerodet.

Dass nun Drittweltländer das Gleiche tun wollen, kann uns nicht verwundern.