Kolumne
Die Welt ist nicht kompliziert

Peach Weber, der seit 36 Jahren als Komiker unterwegs ist, schreibt in seiner Kolumne über Philosophen und Bergbauern, welche die Welt erklären. Weber: «Bei uns Ü-40ern ist Hopfen und Malz verloren, oder noch die letzte Chance, sich die Welt schönzusaufen.»

Peach Weber
Peach Weber
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Bergbauern oberhalb des Vierwaldstättersees bei der Arbeit (Archiv)

Bergbauern oberhalb des Vierwaldstättersees bei der Arbeit (Archiv)

Keystone

Zuerst ein Wort zur neuen Fünfzigernote: Imposant die 13 Sicherheitsmerkmale, da wurde unheimlich viel Kreativität hineingesteckt. Auf die folgende, geniale Idee kam aber niemand: Man hätte den Leuten die grösste Freude machen können, wenn auf der Note statt 50 einfach die Zahl 100 stünde.

Nun zum Thema: Sind Sie oft nach dem Essen von Pommes-Chips auch so voller Zweifel?

Denken Sie manchmal auch: «Ach, die Welt ist so kompliziert, wenn sie mir nur jemand erklären könnte!»

Da kann ich Hilfe anbieten, in diesem ersten Teil zum Thema «Philosophie»: Es gibt ja mal, grob gesagt, zwei Philosophien.

Die eine sagt: Der Mensch ist eigentlich gut, hat aber die Möglichkeit, böse zu sein. Die andere: Der Mensch ist eigentlich schlecht, hat aber die Möglichkeit, gut zu sein.

Natürlich gibt es noch unzählige, ebenfalls sinnlose, Zwischentheorien. Diese dienen aber vor allem dazu, einem selbst ernannten Philosophen die Chance zu geben, auch noch ein Buch zu schreiben und so zu vermeiden, arbeiten gehen zu müssen.

Der Mensch wurde als Armleuchter geplant

Ich möchte Ihnen, mit Verlaub, kurz meine persönliche Vermutung mitteilen. Diese hat keineswegs einen Wahrheitsanspruch, Sie können also auch ohne weiteres jetzt schon zu den spannenden Inserateseiten wechseln.

Hier mein Verdacht: Der Mensch wurde, von der Konstruktion her, als Armleuchter geplant. Er kann sich zwar, solange es ihm gut geht und er zu essen hat, ziemlich anständig und vernünftig benehmen. Gibt man ihm aber die Chance oder die Macht in die Hand, zeigt er sein wahres, erbärmliches Armleuchter-Wesen.

Sie können jetzt zu Recht anführen, dass wir seit bald 80 Jahren in Europa keinen richtigen Weltkrieg mehr hatten, das Gemetzel im Balkan haben wir ja schon wieder vergessen. Aber ist es eine grosse Leistung, nach zwei solchen Katastrophen, mit Millionen von unschuldigen Toten, mal schockbedingt eine kurze Pause einzulegen? Das zeugt noch nicht von grosser Intelligenz.

Ich bin ja der Erste, der froh ist, wenn mein Verdacht sich nicht bestätigt, denn ich habe eine Tochter, und ich schäme mich heute schon dafür, mitbeteiligt daran zu sein, dass wir den nächsten Generationen eine globale Müllkippe hinterlassen.

Quaxo-Giga-Zentrilliarden an Schulden und eine Klimasituation, die ein wirklich intelligentes Wesen nie so hätte geschehen lassen können. Natürlich sagte ich ihr das nie in dieser Deutlichkeit, denn Kinder haben das Recht, mit einer einigermassen positiven Lebenseinstellung ihren Weg zu beginnen, sie müssen mit voller Kraft und Kreativität versuchen, ihre Welt zu gestalten und Probleme zu lösen.

In den Kindern liegt meine ganze Hoffnung. Bei uns Ü-40ern ist Hopfen und Malz verloren, oder noch die letzte Chance, sich die Welt schönzusaufen.

Sie reden einfach über faszinierende Holzwege

Aber zurück zum Thema: Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie die Philosophien nicht verstehen. Philosophen können den Sinn des Lebens auch nicht besser erklären als ein Bergbauer, der seine Gedanken aus der Natur schöpft.

Sie tun es nur komplizierter, damit niemand so schnell merkt, dass sie auch nur herumeiern und sich, schlauerweise, ein Gebiet ausgesucht haben, in dem es keine Beweisführungen gibt.

Wenn sie dann über den Unterschied des Seins und des Seienden im Kontext mit dem Seinsollenden im Wechselspiel des Seinwollenden mit dem ICH, dem ES oder gar dem ÜberICH fabulieren, dann kann man das gut zusammenfassen: Sie reden einfach über faszinierende Holzwege, die sich im Laufe der Jahrhunderte gegenseitig des Irrwegs bezichtigt haben.

Mein Tipp: Seien Sie doch einfach selber Philosoph, setzen Sie sich an einen Fluss, mit oder ohne Angelrute, und DENKEN SIE SELBER NACH. Ihre Gedanken sind um keinen Deut weniger wert als die eines berühmten Philosophen.

Und wenn Sie einen Sinn für Ihr Leben gefunden haben, dann ist das Ihre persönliche Philosophie. Und wenn Sie damit nicht missionieren und keine Rechte anderer Menschen verletzen, dann ist es Ihr gutes Recht, danach zu leben.

Glauben Sie mir, und glauben Sie an sich selber, dann wird Ihnen auch ein allfälliges jüngstes Gericht keinen Vorwurf machen. Ich habe das mit dem Jenseits gecheckt: Die haben mir grünes Licht gegeben für diesen Aufruf.

Ich bitte Sie nur um eines: Schreiben Sie dann nicht auch noch ein Buch.

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