Anleger
Die US-Wahlen setzen den Trend

Der Gastkommentar über Anleger, die sich umschauen nach Investitionsmöglichkeiten.

Nannette Hechler-Fayd’herbe*
Nannette Hechler-Fayd’herbe*
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Viele Strassen und Brücken in den USA sind in schlechtem Zustand. (Archiv)

Viele Strassen und Brücken in den USA sind in schlechtem Zustand. (Archiv)

KEYSTONE/AP/RICH PEDRONCELLI

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat eine nicht abreissende Diskussion ausgelöst, nach welchen Richtlinien der neue Präsident handeln wird. Ein Aspekt der Diskussion sind die Infrastrukturausgaben als Mittel gegen die wirtschaftliche Stagnation. In den USA, in den Industrieländern generell besteht ein hoher Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur (Strassen, Brücken, Schulen, Transportsysteme und so weiter). Dank der niedrigen Finanzierungskosten ist es derzeit günstig, solche Projekte anzupacken. Auch die Anleger können davon profitieren.

Negativzinsen und quantitative Lockerung sind zweifellos unkonventionelle geldpolitische Massnahmen. Sie wurden von den Zentralbanken eingeführt, um die Konjunktur in Gang zu bringen. Doch inzwischen verlieren die Massnahmen zunehmend ihre Wirkung und haben negative Auswirkungen auf die Guthaben der Sparer.

Neue Ansätze zur Konjunkturbelebung sind somit gefragt. In diesem Zusammenhang können Infrastrukturinvestitionen eine Rolle spielen. Diese Investitionen reichen von traditionellen Verkehrsprojekten – Strassen, Schienen, Häfen, Brücken und Flughäfen – bis zu Investitionen in die Gesundheit (zum Beispiel Spitäler) und Ausbildung. Derartige Investitionen sind von hoher wirtschaftlicher Relevanz, da sie nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. Sie sind damit ein effizienter Stimulus für die Wirtschaft.

Kommt hinzu, dass die staatlichen Sparmassnahmen der letzten Jahre zu einer beträchtlichen Investitionslücke geführt haben, weshalb sich die Infrastruktur in vielen Ländern in einem schlechten Zustand befindet. Aktuell können Staaten, deren Investitionsbedarf besonders gross ist (zum Beispiel die USA), zukünftige Projekte dank der niedrigen Zinsen zu attraktiven Konditionen finanzieren.

Sofern einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind, könnte sich eine Kombination aus quantitativer Lockerung und fiskalischer Expansion nicht nur als sehr effektiv erweisen, sondern auch positive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte und für Anleger haben. Entsprechend ihrer Ansprüche und Risikobereitschaft bieten sich Anlegern verschiedene Möglichkeiten, um von Chancen im Infrastrukturbereich zu profitieren.

Grosse und institutionelle Anleger können sich beispielsweise an der Finanzierung von Infrastrukturprojekten beteiligen. Kanadische Pensionskassen gehören in diesem Bereich zum Beispiel zu den erfahrensten Akteuren und halten Beteiligungen an Flughäfen und anderen Transporteinrichtungen in Europa. Zudem stehen Anlegern auch Infrastrukturfonds und spezielle Infrastrukturanlagevehikel zur Verfügung. Die Schweizer Grossbanken haben dafür eigens spezialisierte Teams.

Privatinvestoren bieten sich Anlagen in bestimmte börsennotierte Aktien oder Sektoren an, die direkt oder indirekt von infrastrukturfördernden Programmen profitieren und steigende Gewinntrends aufweisen dürften. Dazu gehören der Bausektor und verwandte Sektoren wie etwa Investitionsgüter oder der Bergbau- und Metallsektor.

Eng definiert gibt es vier Kategorien von Infrastrukturanlagen: Transport, Telekommunikation, Energie, Wasserversorgung und -aufbereitung. Breiter gefasst umfassen sie auch soziale Infrastruktur wie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Zudem gibt es auch festverzinsliche Anlagemöglichkeiten: Von Infrastrukturbanken und staatlichen Institutionen ausgegebene Anleihen sind eine risikoarme Möglichkeit, um von steigenden Infrastrukturausgaben zu profitieren.

Ein Beispiel sind Anleihen, die von infrastrukturfördernden Banken ausgegeben werden. Andere Beispiele für risikoarme Anlagen sind Agenturen für Infrastrukturentwicklung und staatlich garantierte Infrastrukturanleihen.

Der Anlagetrend hin zu Infrastruktur ist unseres Erachtens nicht kurzfristiger Natur. Vielmehr handelt es sich um eine der wenigen wirklich überzeugenden Lösungen für die vielfältigen Probleme unserer Zeit und wahrscheinlich um den Beginn eines mehrjährigen Trends.

Infrastrukturinvestitionen stellen eine interessante langfristige Lösung dar, die angesichts der schwachen Weltkonjunktur und der Suche der Privatanleger nach Lösungen für ihr Rendite-Dilemma an Attraktivität gewinnt.

*Die Autorin ist Leiterin der Investment-Strategie der Credit Suisse.