Apropos
Die seltsamen Blüten von #MeToo

Rahel Koerfgen
Rahel Koerfgen
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Wird sich Michelangelos David wegen der #metoo-Bewegung bald verstecken müssen?

Wird sich Michelangelos David wegen der #metoo-Bewegung bald verstecken müssen?

KEYSTONE/EPA ANSA/MAURIZIO DEGL' INNOCENTI

Die Leitung der «Galleria dell Accademia» in Florenz hat entschieden, die David-Statue von Michelangelo aus ihren Räumen zu verbannen. Besucherinnen fühlten sich durch den Umstand, dass David sein Gemächt so unverblümt zur Schau stellt, sexuell belästigt.

Dieses Szenario ist Fiktion. Allerdings könnte es bald Wirklichkeit werden, wenn die #MeToo-Bewegung weiter seltsame Blüten treibt und auch vor der Kunst keinen Halt macht: Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Kuratorin der Manchester Art Gallery das Gemälde «Hylas and the Nymphs» aus der Ausstellung entfernt hat. Es stelle den weiblichen Körper als passive, dekorative Form dar. Und auch James Bond wird angegriffen.

Am liebsten würden man ihm einen Keuschheitsgürtel anlegen. Aber wäre James Bond ohne Sex noch James Bond? Macht nicht gerade das seinen Reiz aus, weil wir uns gerne an diesem sexistischen Killer aufreiben, wie ihn sein Erschaffer Ian Fleming mal bezeichnet hat? Mich würde ja interessieren, was Jay-Z, Hip-Hopper und einer der mächtigsten Männer der USA, dazu zu sagen hätte. Vor wenigen Tagen durfte er sich bei CNN aufs Sofa setzen und verkünden, wie gut #MeToo der Welt tue. Dass Jay-Z selbst der Verfasser sexistischer Songtexte ist, ist bis anhin übrigens kein Thema. #MeToo sollte den Blick wieder aufs Wesentliche richten.

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