Kommentar
Die Schweiz entstand im Aargau

Anlässlich der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 findet im Jahr 2015 ein Gedenkjahr statt. Doch warum müssen wir ein Jahr lang dieser Eroberung gedenken? Ein Kommentar.

Jörg Meier
Jörg Meier
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Die einst mächtige Festung Stein in Baden ist heute nur noch eine Ruine, aber immer noch ein Wahrzeichen der Bäderstadt. Bei der ersten Zerstörung im Jahre 1415 raubten die Eidgenossen auch das habsburgische Archiv.

Die einst mächtige Festung Stein in Baden ist heute nur noch eine Ruine, aber immer noch ein Wahrzeichen der Bäderstadt. Bei der ersten Zerstörung im Jahre 1415 raubten die Eidgenossen auch das habsburgische Archiv.

Alex Spichale

Auf den ersten Blick mutet es seltsam an, dass der Aargau ein ganzes Jahr lang seine Eroberung durch die Eidgenossen im Jahre 1415 thematisiert und dafür erst noch viel Geld ausgibt. Zumal wir ja dieses Jahr schon genug historische Jubiläen zu verkraften haben; 1315 (Schlacht bei Morgarten), 1515 (Schlacht in Marignano), 1815 (Wiener Kongress) – und jetzt noch 1415.

Kommt dazu, dass sich durch die Eroberung für die Aargauer wenig änderte. Sie blieben auch unter den Eidgenossen das, was sie unter den Habsburgern zuvor schon gewesen waren: Untertanen.

Andererseits erweist sich bei näherem Hinsehen das Jahr 1415 als ziemlich bedeutungsvoll – sowohl für den Aargau als auch für die Eidgenossenschaft. Letztere wäre, so vermuten die Historiker heute, mit einiger Wahrscheinlichkeit auseinandergebrochen, hätte man nicht den gemeinsamen Besitz im Aargau zu verwalten gehabt.

Der Aargau wurde zur starken Klammer, die über alle Eigeninteressen und konfessionellen Differenzen hinweg die alten Orte zusammenhielt. Entsprechend soll denn auch beim Kanton ein erster Arbeitstitel für das Gedenkjahr 1415–2015 «Wo die Schweiz begann» gelautet haben.

Wer sich schliesslich auch schon gefragt hat, wann denn das regionale Denken im Aargau seinen Anfang genommen hat, wie es kommt, dass wir noch immer ein Kanton der Regionen sind, warum der Aargau so geworden ist, wie er ist, der findet zu verlässige Antworten bei der Beschäfti-gung mit den Ereignissen im Jahr 1415.

Und auf einmal wird klar: Das Gedenkjahr ist eine gute Sache.

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