Sirenentest
Die Schwachstelle sind nicht die Sirenen

Am Mittwoch fand der jährliche Sirenen-Probealarm in der ganzen Schweiz statt.

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In der ganzen Schweiz ertönten am Mittwochnachmittag die Sirenen für den allgemeinen Alarm. Zwei Prozent von ihnen waren dagegen defekt. (Archivbild)

In der ganzen Schweiz ertönten am Mittwochnachmittag die Sirenen für den allgemeinen Alarm. Zwei Prozent von ihnen waren dagegen defekt. (Archivbild)

KEYSTONE/URS JAUDAS

Es war in Lyon, in der Altstadt. In der Bar lümmelten einige am Tresen vor einem «petit noir» oder einem Glas Weissen herum. An einem der Tische im Freien legten wir eine Pause ein und beobachteten die vorbeiziehenden Menschen, wohl die meisten Touristen wie wir. Als die Sirene über dem Stadtteil losging, passierte – nichts.

Die am Tresen nahmen einen weiteren Schluck Weissen, wir an den Tischchen draussen auch. In der Gasse kümmerte sich niemand um die Sirene. Sie würde dann schon wieder abgestellt. Was auch geschah. Weshalb sie losging, wusste niemand. Echter Alarm? Fehlalarm? Es schien niemanden auch nur im Geringsten zu interessieren.

Wir in der Schweiz wissen, weshalb die Sirene heult: Probealarm, Funktionstest im ganzen Land. Wir werden darauf vorbereitet – Werbespot im Fernsehen, Information in allen anderen Medien. Einmal im Jahr gehen bei uns die Sirenen für einen klar begrenzten Zeitraum an. Und das ist gut so. Wir können uns darauf verlassen, dass sie funktionieren, dass die Bevölkerungsschutzorganisationen auf Trab sind. Wir können getrost weiter am Gläschen Weissen nippen oder den Cappuccino geniessen, wenn es von Kirchtürmen und Gemeindehäusern an- und abschwillt.

Was aber, wenn wirklich etwas los ist? Wenn die Giftgaswolke lautlos auf uns zutreibt? Wenn der radioaktive Staub leise vom Himmel rieselt? Sind wir, verwöhnt von einem guten Schicksal, sensibilisiert genug zu erkennen, wenn es ernst gilt? Die Schwachstellen im System sind nicht die Sirenen.

eddy.schambron@azmedien.ch

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