Apropos
Die neue Pest: Das Dünngedruckte

Max Dohner
Max Dohner
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Das Skelett eines uralten Lockvogels: Archaeopteryx (Symbolbild)

Das Skelett eines uralten Lockvogels: Archaeopteryx (Symbolbild)

Keystone

Lockvögel sind uralt. Nicht ganz so alt wie der Archaeopteryx, der Sauriervogel (150 Millionen Jahre). Aber immerhin 20 Millionen Jahre alt; damals traten erste menschenartige Geschöpfe auf den Plan. Der Plan scheint von allem Anfang gewesen zu sein, andere Menschenartige – nicht über den Tisch zu ziehen (Tische gab’s noch nicht) –, aber übers Ohr zu hauen, anzuschmieren, zu bescheissen.

Nichts hat sich gehalten vom Steinzeitalter. Ausser die Fähigkeit, andere zu verlocken, einzulullen und dann auszunehmen. Selbstredend schaffte es der Lockvogel sofort in die Politik. Die Methode dabei beruht immer auf Schlaumeierei. Neu ist, dass Schlaumeier heute in alle merkantilen Zonen vordringen und alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringen. Es gibt nur noch Schlaumeierei. Keiner versucht es mehr auf die geradlinige Tour, durchschaubar auf ersten Blick: Du offerierst mir etwas, und was ich bekomme, ist genau das, zu genau dem Preis, den du mir nennst.

Das «Dünngedruckte» auf 1000 Seiten klärt uns darüber auf, was heute an Fallstricken alles in ein simples Lockvogel-Angebot eingewoben wird. Das Dünngedruckte wächst seuchenartig in der heutigen Welt. Schlaumeierei ist Alltags-Giftstoff. Jemand, der nicht versucht, geschäftlich andere zu täuschen, gilt als naiv, provinziell oder dumm.