Kommentar
Die kalte Logik der Asyl-Bürokratie

Eine Familie in Moosleerau hat für ihre Wohnung die Kündigung erhalten, die Gemeinde will darin Asylbewerber unterbringen. Ein Kommentar über die Ungerechtigkeit des Systems.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Karin Ottiger lebt mit Partner Markus Schenker in der ehemaligen Hauswartswohnung – dort müssen sie nun raus.

Karin Ottiger lebt mit Partner Markus Schenker in der ehemaligen Hauswartswohnung – dort müssen sie nun raus.

Printscreen Tele M1

Die Geschichte scheint zu absurd, um wahr zu sein.

Die Gemeinde Moosleerau stellt eine Familie auf die Strasse, weil sie deren Wohnung braucht, um andere Menschen unterzubringen – in diesem Fall Asylbewerber. Die Geschichte ist aber leider nicht nur wahr, sie entspricht auch der Logik der Zuständigkeits-Bürokratie. Man könnte salopp sagen: der Logik des amtlich verordneten Schwarz-Peter-Spiels von oben nach unten:

Der Bund ist für den Empfang der Asylsuchenden zuständig und weist sie dann dem Kanton zu.

Der Kanton ist für die Betreuung und Unterbringung zuständig und weist die Asylbewerber einer Gemeinde zu.

Die Gemeinde muss für die Flüchtlinge eine Unterkunft finden und weist ihnen dann eine Wohnung zu.

Am Schluss der Logik-Kette steht beim Beispiel Moosleerau die Familie, die aus ihrer Wohnung weichen muss.

Am allerwenigsten dafür können die Asylbewerber, die in Moosleerau einziehen werden. Man muss es betonen, denn Scharfmacher werden den Fall nutzen, um die Asylpolitik weiter anzuheizen. Der Punkt ist ein anderer: Das Vorgehen der Behörden mag noch so korrekt sein, es bleibt ungerecht. In Moosleerau könnte die Geschichte zwar adventlich enden: Ein privater Vermieter bietet der betroffenen Familie nun eine alternative Wohnung an.

Doch so einfach dürfen es sich Gemeindevertreter beim nächsten Fall – der kommt bestimmt – nicht machen. Eine Behörde, die ein Problem auf dem Buckel einzelner Bürger löst, ist eine schlechte Behörde.