Novartis
Die Baustellen bleiben

Nach dem Ende der achtjährigen Ära von Joseph Jimenez will der neue Novartis-CEO Vas Narasimhan einen Kulturwandel im Pharmakonzern durchsetzen. Es soll weniger Hierarchie und Bürokratie geben.

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Stabübergabe: Der scheidende CEO Joe Jimenez (links) übergibt die Novartis-Konzernleitung an seinen Nachfolger Vas Narasimhan GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Stabübergabe: Der scheidende CEO Joe Jimenez (links) übergibt die Novartis-Konzernleitung an seinen Nachfolger Vas Narasimhan GEORGIOS KEFALAS/Keystone

KEYSTONE

Der Auftritt des künftigen Novartis-Chefs Vas Narasimhan überzeugte. Der rhetorisch gewandte Amerikaner mit indischen Wurzeln beantwortete die zahlreichen Journalistenfragen an der gestrigen Medienkonferenz souverän. Derweil musste sich Noch-Chef Joe Jimenez mit einer Statistenrolle in der ersten Zuschauerreihe begnügen.

An sich übernimmt der 41-Jährige den Chefposten in einer komfortablen Situation. Nach mehreren schwierigen Jahren, die von auslaufenden Patenten umsatzstarker Medikamente geprägt waren, soll nun endlich eine neue Wachstumsphase beginnen. Bis 2020 rechnet Novartis mit mehreren Zulassungen neuer Präparate.

Doch Narasimhan erbt auch die Probleme seines Vorgängers Jimenez. Die Augenheilsparte Alcon macht zwar Fortschritte, schreibt aber immer noch Verluste. Damit Novartis die teuer erkaufte Firma an die Börse bringen kann, steht noch ein grosses Stück Arbeit bevor. Auch das Generika-Geschäft kämpft wiederholt mit Rückschlägen, zuletzt verursacht durch einen massiven Preisdruck in den USA. Nun prüft der Konzern einen Verkauf dieses Teilbereichs. Selbst im Kerngeschäft Pharma steht nicht alles zum Besten. Vor allem im Krebsbereich muss Novartis seinen Rückstand auf die Konkurrenzaufholen.

Jimenez’ Amtszeit war davon geprägt, dass alte stets durch neue Baustellen abgelöst wurden. Nun wird Narasimhan beweisen müssen, dass er neben seinen rhetorischen Fähigkeiten auch über das strategische Geschick verfügt, um aus dieser Spirale herauszufinden.

andreas.moeckli@azmedien.ch