Apropos
Die armen Verweigerer

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Wer im Supermarkt einen Bogen um die Self-Scanning-Kassen macht, wird als Verweigerer bezeichnet.

Wer im Supermarkt einen Bogen um die Self-Scanning-Kassen macht, wird als Verweigerer bezeichnet.

Chris Iseli

Sie werden abfällig als Verweigerer bezeichnet. Im konkreten Fall sind jene Leute gemeint, die im Supermarkt einen Bogen um die Self-Scanning-Kassen machen und ihre Einkäufe nach wie vor an einer von Menschen bedienten Kasse bezahlen. Die Motive der Verweigerer sind vielfältig.

Da wären einmal die Technologiefeinde, die den persönlichen Kontakt einer seelenlosen Maschine vorziehen. Dann gibt es jene, die keine Lust haben, Fronarbeit für die Detailhändler wie Migros, Coop & Co. zu leisten. Gleichzeitig lassen sich so vielleicht Arbeitsplätze erhalten, auch wenn die Detailhändler gebetsmühlenartig betonen, Self-Scanning-Kassen hätten keinen Personalabbau zur Folge.

Andere wiederum freuen sich über den intimen Einblick in das Leben anderer Leute. Der Blick auf das Fliessband verrät, ob beim Kunden vorne dran gerade eine Party ansteht oder er eine Magerkostdiät abhält. Doch den Nostalgikern und Neugierigen unter uns wird das Leben immer schwerer gemacht. Obwohl die Detailhändler stets betonen, an den bedienten Kassen festzuhalten, werden sie immer weniger.

Während die Self-Scanning-Kassen laufend ausgebaut werden, sind die bedienten Kassen immer öfter nicht mehr besetzt. Das führt natürlich unweigerlich zu längeren Schlangen, womit immer mehr Verweigerer ihren Widerstand aufgeben und das Lager wechseln dürften. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

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