Kolumne
Die Anziehungskraft der Sterne

Sie sorgen für Gekreische, werden tausende Male fotografiert und sind das laufende Gesprächsthema: Simone Meier über ihre Faszination von der Welt der Stars und Sternchen.

Simone Meier
Simone Meier
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Als «Sissi» wurde sie zum Star: Romy Schneider zusammen mit Karlheinz Böhm und ihrer Mutter 1955 an der Premiere.

Als «Sissi» wurde sie zum Star: Romy Schneider zusammen mit Karlheinz Böhm und ihrer Mutter 1955 an der Premiere.

Keystone

Regelmässig fragt mich irgendein Chef: «Stars. Sag mal, kannst du mit denen wirklich etwas anfangen? Ist das nicht totaler Teenie-Kram?» Keine Ahnung, als Teenager hatte ich keine Zeit, Fan zu sein, da hatte ich zu viel zu tun und zu viele Sorgen. Das Leben, davon bin ich überzeugt, beginnt ja erst ungefähr ab dem 18., vielleicht auch erst ab dem 28. Jahr eine gewisse Leichtigkeit zu entwickeln. Vorher ist es Chaos, Schlachtfeld, Melodram. Keine Ahnung, wie Eltern das aushalten.

Mit Erstaunen sah ich andern dabei zu, wie sie all ihre pubertäre innere Leidenschaft nach aussen kehrten und Stars in ihren Brennpunkt stellten: Eine Freundin hatte ihr Zimmer mit Romy Schneider tapeziert. Eine andere mit U2.

Irgendwann geriet ich in den Journalismus – und: Die Stars waren plötzlich da und nah. An meiner ersten Pressekonferenz sah ich mich den Spice Girls gegenüber. Sie redeten und zerpflückten dabei weisse Tulpen, es war eine betörend sinnlose, dekadente Aktion.

Ich war gefesselt. Was wollten sie mit der Zerstörung unschuldiger Frühlingsblumen genau aussagen? Machten sie das immer? Assen sie die massakrierten Blumen später? Kann sein, dass mich Stars in genau diesem Moment zu faszinieren begannen. Weil sie schillerten. Da waren ihre Worte – komplett uninteressant –, da war das Image, das wir alle kannten, und da war die winzige, aber gewiss bewusste Inszenierung. Daraus ergab sich eine flirrende Aura.

Auch Nicole Kidman flirrte, als sie eines heissen Mainachmittags in Cannes Hof hielt. Ich schaffte es, mich neben sie zu setzen, was sie sagte, war ebenfalls komplett uninteressant – sie macht gern Sport, braucht einen hohen Sonnenschutzfaktor, ihr Mann findet ihre Sonnenhüte hässlich... Doch da war dieses Kleid, weiss, von schwarzer Spitze durchbrochen, unter ihrem linken Knie prangte ein Kaffee- oder Saucenfleck, an einem Ärmel war der Saum aufgerissen. Der Wind klebte eins ihrer morgenrotblonden Haare an ihre Lippen, und ihr ganzes Gesicht war von feinsten Fältchen überzogen. Wahrscheinlich hatte sie ihr Botox gerade in die Ferien geschickt. Der Fleck, der offene Saum, das Haar, die Fältchen sprachen von einer Entspanntheit uns Pressemenschen gegenüber, wie wir sie nicht zu erhoffen gewagt hatten. Natürlich waren wir hingerissen. Und sehr, sehr höflich.

Wobei ich an dieser Stelle sagen muss: Man kann den Niedergang der Presse verschreien, so laut man mag – im Vergleich zu früher sind gerade die Starjournalisten weitaus rücksichtsvoller geworden. Wer’s nicht glaubt, kann sich im Kino den Film «3 Tage in Quiberon» anschauen – es ist dort zu sehen, was aus dem Tapetenmädchen meiner Schulfreundin von einst, aus Romy Schneider, ein Jahr vor dem Ende ihres tragisch kurzen Lebens geworden ist: eine gebrochene Seele im Körper eines Superstars. Verletzt, verloren. Von der semiseriösen Presse geschunden und zurückgelassen, als wär sie eine zerrupfte Tulpe.