Muslimisches Vereinslokal
Die Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen

Die Aargauer Regierung heisst eine Beschwerde der islamisch-albanischen Gemeinschaft gut. Der Gemeinderat von Gebenstorf muss die Umnutzung eines Restaurants in ein Vereinslokal gutheissen. Ein guter Entscheid? Ein Kommentar.

Martin Rupf
Martin Rupf
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Der Eingang zum Restaurant - hier soll ein Vereinslokal der islamisch-albanischen Gesellschaft entstehen.

Der Eingang zum Restaurant - hier soll ein Vereinslokal der islamisch-albanischen Gesellschaft entstehen.

Nadja Rohner

Dem Gebenstorfer Gemeinderat und einzelnen Bewohnern passt es nicht, dass ein Restaurant in ein muslimisches Vereinslokal umgenutzt werden soll. Weil er aber genau wusste, dass sich mit Unbehagen eine Umnutzung nicht verhindern lässt, griff er in die juristische Trickkiste: Wertverminderung der umliegenden Liegenschaften, Parkplatzprobleme, Lärmemissionen – ja gar der Wunsch, das Restaurant solle doch erhalten bleiben, wurden ins Feld geführt. Mangelnde Kreativität kann man dem Gemeinderat nicht vorwerfen. Doch der Regierungsrat hat für diese Argumente kein Gehör, sondern hält die Gemeinde vielmehr an, die Baubewilligung zu erteilen.

Der Diskriminierungs-Vorwurf des Regierungsrats ist happig. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, dem Gemeinderat und den Bewohnern fremdenfeindliche Motive zu unterstellen. Oder wie würden Sie reagieren, wenn morgen ein Baugesuch für eine Moschee in Ihrer unmittelbaren Umgebung ankündigt würde? Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen. Doch statt eines – wohl aussichtslosen – juristischen Weiterzugs an die nächste Instanz wäre der Gemeinderat gut beraten, das Gespräch mit der islamisch-albanischen Gemeinschaft zu suchen, Probleme anzusprechen und ihr bestenfalls noch Kompromisse abzuringen. Darauf zu hoffen, der Gemeinschaft gehe bei einem Weiterzug – allenfalls bis vor Bundesgericht – der Schnauf aus, wäre nicht nur unklug, sondern auch unlauter.

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