Apropos
Des Schweizers Erdbeeri-Empörung

Maria Brehmer
Maria Brehmer
Merken
Drucken
Teilen
Maria Brehmer: «Dass Erdbeeren Jahr für Jahr als Sündenbock für unser globalisiertes Konsumverhalten herhalten müssen, nervt mich.» (Archivbild)

Maria Brehmer: «Dass Erdbeeren Jahr für Jahr als Sündenbock für unser globalisiertes Konsumverhalten herhalten müssen, nervt mich.» (Archivbild)

Keystone

Der Frühling naht, wenn sich Schweizerinnen und Schweizer über spanische Erdbeeren in den Regalen von Migros, Coop und Co. aufregen. Zugegeben, mich gluschten sie auch nicht, wie sie da so liegen in ihren Plastikboxen, zwei Drittel rot, ein Drittel weiss. Geruchlos, seelenlos, gebrandmarkt mit dem Stigma der ökologischen Sinnlosigkeit.

Bei allem Verständnis, dass Grossverteiler mit dem frühen Verkauf von Erdbeeren unsere nicht in Grenzen zu haltende Vorfreude auf den Frühling ausnützen wollen: Spanische Erdbeeren sind weder fein noch gesund. Mich jucken sie beim Essen im Mund. Dass Erdbeeren Jahr für Jahr als Sündenbock für unser globalisiertes Konsumverhalten herhalten müssen, nervt mich trotzdem.

Die Erdbeeri-Empörung ist gerade in den sozialen Medien riesig. «Liebe Migros, echt jetzt ...? Erdbeeren im Februar? Wer kauft die überhaupt ???», fragen die Empörten in die grosse, weite Netz-Welt hinein. Die Empörung steckt an, wird zum kollektiven Erlebnis. Sie verbreitet sich rasend, jetzt hat jeder eine Meinung. Keine fremden Früchtchen in unseren Regalen! Nur Schweizer Erdbeeren sind richtige Erdbeeren!

Denken wir uns – und greifen zu den Gurken und Tomaten, den Orangen und Heidelbeeren. Sie kommen aus Spanien. Aber das ist ... Irgendwie was anderes, oder?