Meiereien
Dernière

Ich bin wehmütig, fast schon traurig. Denn am Samstagabend geht meine Schauspielkarriere wohl zu Ende. 17-mal durfte ich spielen: War Securitas-Wächter und Pfarrhelfer im selben Stück. Wahrlich keine bedeutenden Rollen. Aber das spielt keine Rolle.

Jörg Meier
Jörg Meier
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Über ein Jahr lang hat uns das Theater beschäftigt. Anfänglich ein bisschen, dann immer mehr; schliesslich ergriff es von uns dermassen Besitz, dass es unser Leben wochenlang bestimmt hat. Wir erfanden unser eigenes Stück und dann die Musik dazu; wir fanden eine leerstehende Fabrikhalle und bauten darin ein Theater im Theater samt grandioser Beiz. Es entstand ein kleines Universum mit einem einzigartigen Eigenleben, ein kleines Universum, das sich auch immer wieder mit dem richtigen Leben vermischt hat, sodass nicht immer ganz klar war: Was ist nun Theater und was nicht?

Gestandene Männer und Frauen und energiegeladene jungen Erwachsene bevölkern das Theateruniversum und merken erst gar nicht, wie wichtig sie füreinander werden. Erst als ein Schicksalsschlag alle infrage stellt, spüren sie die Kraft, die aus der Verbundenheit entsteht.

Warum wir das alles tun? Weil es Spass macht. Weil es uns guttut. Und offensichtlich dem Publikum auch. Weil es uns zeigt, was möglich ist. Weil es uns an die Kinder erinnert, die wir vielleicht einmal gewesen sind. Halt! Das Warum lässt sich gar nicht erklären. Braucht es auch gar nicht. Es ist, was es ist und wie es ist.

Doch bevor die Theaterzeit unwiederbringlich zu Ende geht, wollen wir heute Abend noch einmal spielen aus Herzenslust, für uns und unser Publikum, wir wollen festen und feiern und dann auch recht schön traurig sein.