Spardebatte
Der Wind hat gedreht beim Bildungssparen

Nicht nur der Lehrerverband und die Bildungskommission, auch die FDP ist gegen Sparmassnahmen.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Kathrin Scholl-Debrunner an der ausserordentliche DV des Lehrerverbandes vom 14. September.

Kathrin Scholl-Debrunner an der ausserordentliche DV des Lehrerverbandes vom 14. September.

Chris Iseli

Wenn es um Einsparungen im Bildungsbereich ging, lautete der öffentliche Tenor in den letzten Jahren oft: Lehrer haben gute Löhne, einen sicheren Arbeitsplatz und noch 13 Wochen Ferien – die sollen nicht jammern, wenn bei ihnen ein bisschen gespart wird. In den Spardebatten argumentierten rechtsbürgerliche Politiker, das Bildungswesen gehöre zu den grössten Ausgabeposten. Zudem seien die Kosten in den letzten Jahren massiv angestiegen, der Rotstift müsse auch hier angesetzt werden.

Dass sich SP, Grüne und Lehrerverbände gegen Bildungssparen wehren, ist keine Überraschung. Vor drei Wochen haben die Lehrer beschlossen, am 8. November vor dem Grossratsgebäude gegen die Kürzungen zu protestieren. Schon im Mai 2015 fand eine grosse Lehrerdemo statt, trotzdem wurden im Bildungsbereich spürbare Kürzungen vorgenommen. Es zeigte sich: Die linken Kräfte allein können zwar protestieren, aber Einsparungen nur in sehr beschränktem Ausmass verhindern.

Das gilt grundsätzlich immer noch – doch der Wind beim Bildungssparen hat seit 2014 gedreht. Nun spricht sich auch die FDP gegen Sparmassnahmen aus, die zulasten der Schüler gehen. Wie stark dies aus Überzeugung geschieht und wie sehr die Position auch Wahltaktik ist, lässt sich schwer einschätzen. Tatsache ist: Viele Schulleitungen und Lehrer informieren
Eltern direkt über die drohenden Einsparungen. Dies zeigt in einem Wahljahr eindeutig Wirkung: Welcher Politiker will die Stimmen von Eltern verlieren, die um die gute Ausbildung ihrer Kinder fürchten?

fabian.haegler@azmedien.ch