Wahl in Klingnau
Der Verzicht – ein dreifach kluger Entscheid

Nach der kuriosen Wahl von Klingnau verzichtet der frisch gewählte Gemeinderat Oliver Brun vorerst darauf, Ammann zu werden. Damit wird die Ammann-Wahl mit den fast 200 ungültigen Stimmen quasi wiederholt. Ein Kommentar.

Nadja Rohner
Nadja Rohner
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Oliver Brun stellt seine persönlichen Interessen hinter die des Städtlis.

Oliver Brun stellt seine persönlichen Interessen hinter die des Städtlis.

ZVG

Er hätte nur zugreifen müssen: Im zweiten Wahlgang für den Klingnauer Stadtammann-Sitz war Oliver Brun in der Poleposition. Sein direkter Konkurrent, Reinhard Scherrer, war im ersten Wahlgang zwar als Ammann, aber nicht in den Gemeinderat gewählt worden – dieser Sitz ging an Brun. Für den zweiten Wahlgang wäre Scherrer somit nicht mehr zugelassen, nur die fünf Gemeinderäte. Weil die anderen vier ohnehin nie Ammann werden wollten, wäre Brun mit dem relativen Mehr sicher gewählt worden.

Dazu kommt es aber nicht. Oliver Brun verzichtet auf eine Kandidatur für den zweiten Wahlgang. Seine Gemeinderatskollegen tun es ihm gleich. Mit der kollektiven Kandidaturverweigerung erzwingen sie einen neuen ersten Wahlgang. Diesen will die Gemeinde erst im Herbst durchführen. Bereits im Juni wird wieder ein Gemeinderat ersetzt: Reinhard Scherrer könnte sich dann ins Gremium wählen lassen und im Herbst doch noch Ammann werden – Oliver Brun lässt seinem Konkurrenten also eine Türe offen, stellt sich noch einmal dem Wahlkampf.

Damit hat Brun eine dreifach kluge Entscheidung getroffen. Erstens muss er sich so nicht dem Vorwurf aussetzen, auf zwar legitime, aber doch etwas sonderbare Weise an den Ammann-Sitz gelangt zu sein: Immerhin waren im ersten Ammann-Wahlgang 20 Prozent der Wahlzettel ungültig, weil sie falsch ausgefüllt waren. Zweitens kann er sich, sollte er beim nächsten Anlauf Stadtoberhaupt werden, sicher sein, dass die Klingnauer wirklich hinter ihm stehen und er nicht «aus Versehen» gewählt wurde. Und drittens: Mit seinem Entscheid zur Nicht-Kandidatur stellt Musterdemokrat Brun seine persönlichen Interessen hinter diejenigen des Städtli. Dies ist nicht nur sehr sympathisch, sondern auch das, was man von einem guten Ammann verlangt. Der eine oder andere Klingnauer Stimmbürger dürfte das beim nächsten Urnengang berücksichtigen.

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