Mensch & Medien
Der Untergang der Schweizer Medien-Titanic

Christian Mensch
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Christian Mensch: «Der Kampf der Publicitas zuerst gegen den Niedergang und dann gegen den Untergang trug zuweilen skurrile Züge.» (Archivbild)

Christian Mensch: «Der Kampf der Publicitas zuerst gegen den Niedergang und dann gegen den Untergang trug zuweilen skurrile Züge.» (Archivbild)

Keystone

Die Publicitas ist wohl Geschichte. Die Nachlassstundung ist eingereicht. Der Konkurs scheint so wahrscheinlich wie die hässlichen rechtlichen Auseinandersetzungen, wer die ausstehenden Zahlungen zu tragen hat. Es ist dies Anlass für einen rührseligen Rückblick.

Die mächtige Publicitas stammt aus einer Zeit, als die Zeit noch stillzustehen schien. In jedem Bezirksort hatte der Anzeigenvermittler eine Filiale. Männer in meist schlecht sitzenden Anzügen hatten dort ihr Büro. Doch meist waren sie unterwegs von Handwerker zu Handwerker, die sie in der Werkstatt oder noch lieber in der Beiz zu einem Inserat überredeten.

Die lokalen und regionalen Zeitungen und Anzeiger waren voll davon. Im Büro wartete meist eine Dame, eher wenig beschäftigt, aber stets bereit, mit einfühlsamen Worten die Todesanzeigen entgegenzunehmen, die trauernde Angehörige in den Block diktierten. Wer in diesem Metier arbeitete, gehörte zu den Bestinformierten des Städtchens.

Blöd nur, dass die Zeit nicht mehr steht, sondern rast. Die Filialen sind längst geschlossen, und was früher ein Handschlag war, ist heute ein Click mit der Computermaus.

Der Kampf der Publicitas zuerst gegen den Niedergang und dann gegen den Untergang trug zuweilen skurrile Züge. Mit immer neuen Konzepten wurde alter Wein in neue Schläuche gefüllt. Immer neue Manager übten sich in der Selbstbehauptung, dass nicht kommen wird, was sich abzeichnete.

Immer neue Investoren spielten das Spiel, dass ein Zocker auch gewinnen kann, wenn er auf einen Verlierer setzt. Game over scheint nun für die Publicitas zu gelten. Ein langes Leben findet sein Ende. Es ist ihr zu wünschen, was ihr unzählige Male in den Block diktiert wurde: «Ruhe sie in Frieden.»

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