Kommentar
Der tiefe Fall des Hans Ziegler

Die Finanzmarktaufsicht wirft Sanierer Hans Ziegler Insiderhandel vor. Der Kommentar.

Beat Schmid
Beat Schmid
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Hans Ziegler, von der Finma zu einer Millionenklage verknurrt.

Hans Ziegler, von der Finma zu einer Millionenklage verknurrt.

Keystone

Es sind knallharte Fakten, welche die Finanzmarktaufsicht heute morgen veröffentlichte: Ein Manager, es handelt sich mutmasslich um Hans Ziegler, hat in mehreren Fällen Insiderwissen ausgenutzt und an der Börse einen Millionengewinn eingestrichen. Exakt sind es 1,4 Millionen Franken, welche Ziegler unrechtmässig einheimste. Die Finma spricht von einem gravierenden Fall.

Die Behörde zieht die unrechtmässig erzielten Gewinne ein, wie es in einer Mitteilung heisst. Damit ist das Verfahren für die Finanzaufsicht erledigt. Doch aus dem Schneider ist „der Sanierer der Nation“, wie Ziegler einst in den Medien hochgejubelt wurde, noch lange nicht. Er muss mit einem Verfahren vor dem Bundesstrafgericht und mit weiteren Bussen und Strafen in unbekannter Höhe rechnen.

Der tiefe Fall Zieglers macht zwei Dinge glasklar: Börsengeschäfte mit Insiderwissen haben definitiv ihre Unschuld verloren. Manager oder Händler, die geheimes Wissen ausnutzen, um sich persönlich zu bereichern, müssen jederzeit mit der Hand des Gesetzes rechnen. Ewiggestrige werden mit dem heutigen Tag eines Besseren belehrt: Insider ist kein Kavaliersdelikt.

Zweitens: Der Fall Ziegler macht deutlich, mit welcher Geringschätzung gegenüber dem Recht hohe Manager ihren Geschäften nachgehen. Sie meinen, nicht nur bei den Löhnen über allen anderen zu stehen, sondern offenbar auch bei den Gesetzen. Als Insider verzerren sie den Markt und schädigen Anleger wie Pensionskassen. Somit uns alle.

Dass in der Schweiz bisher nur sehr wenige Insiderdelike zur Anklage kamen, hat nicht damit zu tun, dass wir Schweizer braver oder rechtschaffener wären als andere. Das ist vielmehr dem Umstand geschuldet, dass Finanzmarktaufsicht und Bundesanwaltschaft Verdachtsmomenten zu wenig energisch nachgingen.