Amtseinführung
Der Sender CNN informiert nicht, sondern betreibt Werbung für die Demokraten

CNN ist der meistgesehene Nachrichtensender der Welt. Bei der Übertragung der Amtseinführung Joe Bidens kannte die Lobhudelei für den neuen Präsidenten der USA keine Grenzen.

Francesco Benini
Francesco Benini
Drucken
Teilen
Wolf Blitzer, Starmoderator des Senders CNN, himmelt Joe Biden an.

Wolf Blitzer, Starmoderator des Senders CNN, himmelt Joe Biden an.

CNN

Die Amtseinführung Joe Bidens als Präsident der USA mit einem positiven Grundton begleiten – warum nicht? Erst vor zwei Wochen stürmten Chaoten das Kapitol in Washington. Dass die Machtübergabe nun trotzdem geordnet ablief, ist erfreulich.

Was CNN, der meistgesehene Nachrichtensender der Welt, aus der Übertragung der Zeremonie machte, ist es weniger. Er strahlte einen langen Werbespot für die Demokratische Partei aus. Er stellte Joe Biden als einen Heiligen dar, der ins Weisse Haus einzieht, nachdem der Teufel nach Florida entschwunden ist. «Joe Biden geht regelmässig zur Kirche», sagte ein CNN-Moderator. «Sogar auf der Wahlkampftour liess er sich den Messebesuch nicht entgehen», warf ein anderer ein.

Die Lobhudelei kannte keine Grenzen. CNN berichtete wie Fox. Nur von der anderen Seite. «Was für gute Freunde Biden und Obama doch geworden sind. Das war nicht von Anfang an so.» CNN betrieb keinen Journalismus, sondern die schamlose Parteinahme für einen Politiker. Als Fernsehzuschauer möchte man informiert werden.

Stattdessen wurde man indoktriniert. Das ist bemühend, und es ist vor allem langweilig. CNN hätte beim Publikum punkten können mit einer professionellen Kommentierung der Amtseinführung. Stattdessen legte der Sender eine Schleimspur, so breit wie der Potomac in Washington.