Frick
Der «Rebstock» schliesst: Ein Jammer

Die Gemeinde Frick verliert ihr nächstes Gasthaus. Ende Jahr schliesst der «Rebstock» für immer. Wo heute die Gäste speisen, entstehen Wohnungen und Gewerberäume. Für die Zentrumsgemeinde ist die Schliessung ein herber Verlust.

Thomas Wehrli
Thomas Wehrli
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Der «Rebstock» wurde 1086 erbaut. Nach 928 Jahren als Wirtshaus ist Ende Jahr Schluss; die Liegenschaft wird für Wohnungen und Gewerbe umgenutzt.

Der «Rebstock» wurde 1086 erbaut. Nach 928 Jahren als Wirtshaus ist Ende Jahr Schluss; die Liegenschaft wird für Wohnungen und Gewerbe umgenutzt.

Marc Fischer

Der «Rebstock» macht Ende Jahr dicht. Das Wirten ging nicht mehr auf. Damit verliert Frick bereits die dritte seiner vier historischen Tavernen. Der «Löwen» hat schon lange ausgebrüllt; der «Engel» schwebte im Sommer 2013 davon. Und nun dörrt der «Rebstock» ab. Es bleibt der «Adler».

Ist es ein Jammer? Ganz klar. Frick, das Zentrum im Oberen Fricktal, verliert mit der Schliessung ein weiteres Gasthaus, das nicht auf Dürüm oder Pizza setzte, sondern mit Schweizer und thailändischen Speisen aufwartete. Es bleiben nicht mehr viele Lokalitäten in und um Frick, in denen man anständig essen kann. Und vor allem: Mit dem «Rebstock» verliert Frick den letzten grossen bewirteten Saal.

Dass wir uns richtig verstehen: Ob Reto Bürgi, der nunmehr letzte Wirt auf dem «Rebstock», alles richtig gemacht hat, kann und will ich nicht beurteilen. Bürgi ist aber, zumindest bis zu einem gewissen Grad, ein Opfer des gesellschaftlichen Wandels. Der Restaurant-Besuch, das Feierabend-Bier ist nicht mehr – wie noch vor 10, 20 Jahren – ein wichtiger Bestandteil unserer Freizeitkultur.

Das Rauchverbot und die 0,5-Promille-Regelung haben dazu, ohne Frage, beigetragen; ihnen aber nun fast die ganze Schuld am Beizensterben in die Schuhe zu schieben, wäre ebenso falsch wie kurzsichtig. Der Entscheid, nicht mehr ins Restaurant zu gehen, fällt jeder Einzelne von uns. Jeden Tag aufs Neue. Insofern ist das ganze Gejammer über das Beizensterben der eigentliche Jammer.