Kommentar
Der politische Spagat ist gross

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Yvonne Feri will in den Ständerat.

Yvonne Feri will in den Ständerat.

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Es war ein überraschender Coup der SP: 2011 wurde Pascale Bruderer bereits im ersten Wahlgang in den Ständerat gewählt. Die SVP scheiterte hingegen mit ihrem regelmässig bestgewählten Nationalrat Ulrich Giezendanner und verlor ihren Sitz im «Stöckli». Möglich war die Wahl der damals 33-jährigen Sozialdemokratin nur, weil sie bis weit in die Mitte hinein viele Stimmen holte. Dies passt zu Bruderers politischem Profil: Sie tritt gemässigt auf, eckt kaum einmal an, unterstützte als SP-Politikerin den A1-Ausbau im Aargau – der einfache Slogan «Unsere Ständerätin», den sie 2015 im Wahlkampf verwendete, stimmte für einen grossen Teil der Bevölkerung.

Nun versucht mit Yvonne Feri eine ganz andere SP-Frau, den Sitz von Bruderer zu verteidigen. Auch wenn man Politik- Ratings mit Vorsicht geniessen sollte, ist klar: Feri steht politisch deutlich weiter links als Bruderer. Auf einer Skala von 0 bis –10 wird die bisherige Ständerätin bei –5,2 eingereiht, ihre mögliche Nachfolgerin hingegen bei –9,3. Das zeigt auf: Der politische Spagat ist für Feri eindeutig grösser als für Bruderer, wenn sie bürgerliche Wähler überzeugen will.

Das heisst aber nicht, dass Yvonne Feri von vornherein chancenlos ist. Einerseits treffen Wähler ihre Entscheidung nicht nur aufgrund von Ratings, sondern berücksichtigen auch Aspekte wie Glaubwürdigkeit, Authentizität, politischen Stil oder öffentliche Auftritte. Andererseits zeigen die Wahlresultate im Aargau, dass die SP im Aufwind ist. Das könnte darauf hindeuten, dass linke Anliegen – und damit auch Feri – zunehmend mehrheitsfähig werden.