Persönlich
Der Locher brachte mich ins Zweifeln

Andreas Hirsbrunner
Andreas Hirsbrunner
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Amtsinhaber Gottfried Locher ging Direktvergleichen und Streitgesprächen mit seiner Herausforderin aus dem Weg.

Amtsinhaber Gottfried Locher ging Direktvergleichen und Streitgesprächen mit seiner Herausforderin aus dem Weg.

AZ

Ich bin ein Landei. Und wie eine Mehrheit der Landeier in unserem Dorf gehöre ich der Reformierten Kirche an. Doch wahrscheinlich zähle ich unter diesen Kirchenmitgliedern zu einer Minderheit: Ich zahle meine Kirchensteuern als Ungläubiger. Dies, weil ich der Meinung bin, dass die Kirche gute und wichtige soziale Arbeit vor Ort macht.

Also zahle ich meinen Obolus lieber hier als an eine mehr oder weniger anonyme Hilfsorganisation. Doch in den letzten Wochen habe ich mir zum ersten Mal im Leben überlegt, ob ich noch zu dieser Kirche gehören will.

Grund dafür waren die Vorwahlkrämpfe um das höchste Amt in der reformierten Landeskirche, das Präsidium des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Der bisherige Amtsinhaber Gottfried Locher, der eigentlich lieber reformierter Bischof geworden wäre, aber erkennen musste, dass das trotz seiner abgehobenen Fähigkeiten nicht mehrheitsfähig war, wollte zumindest das Präsidium behalten.

Dieses strebte aber auch die Pfarrerin Rita Famos an. Und jetzt kam das, was mich ins Zweifeln brachte: Locher verweigerte Famos ein öffentliches Streitgespräch, gewisse Sektionen weigerten sich, Famos persönlich kennen zu lernen.

Kirchenvertreter foutierten sich also um den Dialog, den die Reformierte Kirche doch ansonsten so hochhält. Nun, der (selbst)herrliche Gottfried Locher wurde gewählt, trotzdem bleibe ich Kirchenmitglied. Ich kam zur Einsicht, dass ich mit einem Austritt die Falschen bestrafen würde.

Letztlich träfe es die Alten, Kranken, Jungen, Einsamen, um die sich meine Ortskirche – auch – kümmert. Dem elitären Locher aber dürfte es wurst sein, ob er ein Landei mehr oder weniger zu seinem Gefolge zählen kann.

andreas.hirsbrunner@azmedien.ch