Frauenstreik im Aargau
Der Kanton wählt den Mittelweg

Eva Berger
Eva Berger
Drucken
Teilen
Aargauer Kantonsangestellte haben die Möglichkeit, sich am 14. Juni für die Gleichstellung stark zu machen.

Aargauer Kantonsangestellte haben die Möglichkeit, sich am 14. Juni für die Gleichstellung stark zu machen.

PETER KLAUNZER

Aargauer Kantonsangestellte dürfen am 14. Juni am Frauenstreik teilnehmen, das hat der Kanton so beschlossen. Weil aber sichergestellt sein muss, dass der öffentliche Dienst nicht zusammenbricht, muss die Abwesenheit mit den Vorgesetzten abgesprochen sein. Die für Kundgebungen aufgewendete Zeit muss kompensiert werden, oder die Frauen müssen dafür Ferientage einsetzen.

Das ist ein gangbarer Weg. Kein Arbeitgeber muss seine Angestellten zu einer politischen Kundgebung gegen sich selber motivieren. Ein Streikverbot stellt die Haltung des Kantons andererseits auch nicht dar. Konsequenzen drohen den Streikenden nicht, sofern sie sich an die Regeln halten. Im Übrigen stellen auch Gewerkschaften klar, dass Streikwillige eine Verantwortung tragen. Die Abwesenheit von Angestellten darf keine gravierenden Folgen in Notfällen, bei Patienten oder Schülerinnen haben.

Es sollte also jeder Kantonsangestellten möglich sein, zumindest teilweise bei den Kundgebungen zum Frauenstreik mitzumachen und sich so für die Gleichstellung in der Arbeitswelt einzusetzen. Auch im Namen von Frauen aus der Privatwirtschaft, denen die Teilnahme verwehrt bleibt, weil sie sonst mit Sanktionen rechnen müssten. Kritikerinnen sagen, es handle sich nicht um einen Streik im klassischen Sinne, wenn er in der Freizeit stattfinde. Den Einsatz gegen Diskriminierung und für die Durchsetzung der gesetzlichen Grundlagen bei der Gleichstellung darf und wird das aber nicht schmälern — egal ob man die Anlässe vom 14. Juni nun «Streik» oder «politisch motivierte Aktion» nennt.

eva.berger@chmedia.ch