Kommentar
Der Hundehasser, der ein Stück Käse war

Toni Widmer
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Familienhund Haily starb wegen eines grossen Stücks Käse.

Familienhund Haily starb wegen eines grossen Stücks Käse.

zvg

Einen Hund zu verlieren, ist für die Betroffenen tragisch. Noch schlimmer ist es, wenn vermutet werden muss, der treue Wegbegleiter sei an einem mutwillig ausgelegten Giftköder verendet. Es ist nachvollziehbar, dass in einem solchen Fall die Wogen hochgehen.

Was jedoch im Zusammenhang mit dem Tod der Hundedame Haily passiert ist, ist einmal mehr ein Abbild der heutigen Social-Media-Gesellschaft. Der Mörder wird öffentlich verurteilt, bevor mit Sicherheit feststeht, dass überhaupt ein Mord passiert ist. Hundedame Haily ist laut einer Untersuchung am Institut für Veterinär-Pathologie der Uni Zürich nicht vergiftet worden, sondern an einem Stück Käse erstickt.

Das macht ihren Verlust nicht weniger schlimm. Aber es zeigt auf, dass unsere Welt auch für Hundedamen nie die absolute Sicherheit bieten kann. Vor allem angesichts des immer stärker verbreiteten Littering. Was uns Menschen weniger oder stärker ärgert, kann für Tiere tödlich sein.

Man(n) und Frauchen lernt in jedem Hundekurs, dass es diese Gefahren gibt und man gut daran tut, darauf zu achten, wo sich sein Tier gerade bewegt. Nur die wenigsten schaffen wirklich, was Hundeerzieher dabei proklamieren – ihrem Hund das Fressen vom Boden abzugewöhnen.

Diesmal war es ein Stück Käse, das nächste Mal kann es ein Hühnerknochen sein, den ein Fuchs am Waldrand deponiert hat. Also lieber mehr Vorsicht zuvor als noch mehr Panikmache danach in den Social- und anderen Medien.