Der heikle Spagat der Volkspartei

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen

Andreas Glarner ist ein erfolgreicher Politiker. Der ehemalige Gemeindeammann von Oberwil-Lieli hat sich als Islamkritiker und Asylhardliner einen Namen gemacht. So wurde der SVP-Politiker zuerst Grossrat und Fraktionschef im Kantonsparlament, dann Nationalrat und Anfang dieses Jahres Kantonalparteipräsident.

Glarner provoziert mit grenzwertigen Plakaten, attackiert politische Gegner heftig und stellt in sozialen Medien auch Privatpersonen bloss. Seiner persönlichen Karriere hat dies nicht geschadet, sein Kurs und Stil kommen bei vielen Wählern an. Ob Glarner ein erfolgreicher SVP-Kantonalpräsident wird, ist aber noch völlig offen.

Politologe Claude Longchamp hat die Grossratswahlen vom 18. Oktober im «Tages-Anzeiger» als Schicksalswahl der SVP bezeichnet. Wenn die Partei im Aargau verliere, wäre dies schweizweit ein gefährliches Signal für sie. Glarner sagte nach seiner Wahl im Januar, für ihn als neuen Präsidenten sei es unmöglich, auf die Wahlen im Herbst hin noch etwas zu bewegen.

Doch seine Auftritte werden von den Aargauer Wählern und SVP-Mitgliedern registriert. Dass eine Bezirks­präsidentin kurz vor der Wahl öffentlich Kritik an seinem Kurs und Stil übt, muss ihm zu denken geben. An der Basis bestehen Zweifel, ob Glarners persönliches Erfolgsrezept für die ganze SVP funktioniert. Heikel ist der Spagat ohnehin, wenn die Partei ihre Hardliner-Wähler halten und neue, moderate Kreise ansprechen will.