Kommentar
Der «Chief of Wohlen» ist nicht unantastbar

Walter Dubler, Gemeindeammann in Wohlen, ist angeklagt wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung. Die Parallelen zu ihm und Josef Blatter sind kaum zu übersehen, findet auch Fabian Hägler.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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AZ

«Seit 1998 bin ich Gemeindeammann von Wohlen.» So lautet der erste Satz der Stellungnahme von Walter Dubler zur Anklage gegen ihn. Es mag Zufall sein, dass der suspendierte Fifa-Präsident Sepp Blatter sein Amt ebenfalls 1998 antrat. Doch es gibt noch weitere Parallelen zwischen Dubler und Blatter. Die offensichtlichsten: Beide sind nicht kritikfähig, uneinsichtig gegenüber Fakten und halten sich für unantastbar.

Dubler stellte sich der Band Status Quo bei einem Open Air in der Gemeinde einst mit den Worten vor: «I am the Chief of Wohlen.» Das mag eine Anekdote sein, doch sie zeigt das Selbstverständnis des Gemeindeammanns. Wenn er auf seine langjährige Amtszeit verweist, meint Dubler implizit auch: Ich habe viel für Wohlen getan, bin immer wiedergewählt worden, das Volk steht hinter mir, also wird es mir ein paar Unregelmässigkeiten im Umgang mit Pensionskassenbeiträgen, Spesen und Sitzungsgeldern verzeihen.

Dubler weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft pauschal zurück, ohne auf sie einzugehen, er räumt keine Fehler ein, sondern stellt sich als Opfer einer Kampagne dar. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung für Dubler, so lange kein rechtskräftiges Urteil gegen ihn vorliegt. Doch diesmal dürfte seine Taktik nicht aufgehen. Wenn ein Politiker eine amouröse Affäre hat wie US-Präsident Bill Clinton oder zu schnell Auto fährt wie CVP-Ständerat Filippo Lombardi, sind die Wähler meist bereit zu verzeihen. Wenn ein Politiker, der fast 190 000 Franken im Jahr verdient, sich darüber hinaus unrechtmässig Geld auszahlen lässt, sieht dies anders aus.