Kommentar
Der Berg ruft auch in der Breite

Der Bundesrat erwähnt in der Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit die Berge kaum. Das stösst auf Widerstand. Ein Kommentar von Max Dohner

Max Dohner
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Mobilität im Gebirge: Dank Schweizer Hilfe wurden in Nepal Tausende Brücken errichtet, hier die Sun-Kosi-Brücke.

Mobilität im Gebirge: Dank Schweizer Hilfe wurden in Nepal Tausende Brücken errichtet, hier die Sun-Kosi-Brücke.

Als vor fünfzig Jahren der Herr Ingenieur und seine Frau nach Nepal flogen, fuhr das halbe Dorf mit nach Zürich-Kloten, um den beiden Adieu zu winken. Die beiden waren Entwicklungshelfer, Entwicklungshelden. Der Berg rief (der Himalaja) und bekam Echo aus dem Alpenkamm Europas. Lange noch mussten Schüler in ihre Hefte schwindelerregende Hängebrücken zeichnen, die vom Schweizer Ingenieur und seiner Frau gebaut wurden für die armen Nepalesen.

So was sickert in die Köpfe, bekommt im Lauf der Jahre den Flor oder Glanz von Mythen. Natürlich durchwirken Schweizer Mythen auch Schweizer Entwicklungshilfe. Abgesehen davon, dass einem «Bergvolk» Bergkompetenz nicht streitig gemacht werden kann, ohne dass dieses Volk ranzig wird. Fallen da noch neumodische Begriffe wie «Gender» und «Klimawandel», fürchtet man bald ums Bewährte; auch Entwicklungshilfe soll beim Bewährten bleiben.

Es ist eine Schweizer Tugend, laufend die Dinge zu überprüfen und daraus zu lernen. Neumodisch heisst das «Monitoring». Das Deza betreibt das seit Jahren. Es bedeutet, um am Beispiel Hängebrücke zu bleiben: Was tun die Leute vor und nach der Brücke? Wird die Lage der Leute allgemein besser, oder ist nur die Brücke besser geworden?

Seit geraumer Weile operiert Schweizer Entwicklungshilfe in dieser Weise. Dieses Vorgehen zahlt sich aus in diversen Ländern, besser, als oft angenommen. Man kann natürlich auch nirgends hinschauen, und Elende dem Schicksal überlassen. Jeder, der nicht hinschaut, muss dann aber wissen, dass er sich dabei genauso verhält, als wäre er blind. Leute mit hellem Verstand müssten sich dieser Dunkelheit eigentlich schämen.

max.dohner@azmedien.ch