Kommentar
Denkmalschutz für Kirchen – eine Sünde

Der Gemeinderat von Turgi will die beiden Kirchen im Dorf unter Denkmalschutz stellen. Der Kommentar.

Pirmin Kramer
Pirmin Kramer
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Die katholische . . .

Die katholische . . .

Sandra Ardizzone
Kirchen in Turgi

Kirchen in Turgi

Sandra Ardizzone

Aus architektonischer Sicht gibt es Argumente, die dafür sprechen, die katholische und die reformierte Kirche in Turgi unter Denkmalschutz zu stellen. Die Kirchen bilden laut Experten einen spannungsvollen gestalterischen Gegenpol zueinander.

Die Präsidenten der beiden Kirchenpflegen dürften es hingegen als Sünde ansehen, wenn an der Gemeindeversammlung vom 21. Februar beschlossen würde, dass die beiden Kirchen im Dorf bis in alle Ewigkeit stehen bleiben müssten.

Würden die beiden Gotteshäuser unter Schutz gestellt, würde den Kirchen gleichzeitig die Möglichkeit genommen, sich zu verändern – und das betrifft nicht nur das Äussere, also die Gebäude. Viele Kirchen wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren gebaut, als man davon ausging, dass die Bevölkerung stark wachsen und die religiöse Praxis unverändert bleiben würde.
Doch die Realität ist heute eine andere – der Glaube spielt nicht mehr dieselbe Rolle. In welchem Rahmen Gottesdienste stattfinden sollen, ist eine Frage, die sich angesichts von Mitgliederschwund und Priestermangel zunehmend stellt.

Die Idee, Gottesdienste in neuen, kleineren Räumen abzuhalten, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und den frei werdenden Platz zum Beispiel für Alterswohnungen nutzen zu dürfen, wäre nicht nur Gläubige ein Segen. Bei einer Unterschutzstellung droht indes ein Ärgernis: Die Einwohnergemeinde Turgi müsste sich nicht an den Sanierungskosten für den Erhalt der Kirchen beteiligen. Die Kirchgemeinden müssten also die finanziellen Folgen eines politischen Entscheids alleine tragen.

pirmin.kramer@chmedia.ch