Apropos
Das «Wahlticket» ist kein «Ticket»

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Bei den Bundesratswahlen geht es nicht um ein Billett, das an der Kasse vor dem Bundeshaus verkauft wird. (Symbolbild)

Bei den Bundesratswahlen geht es nicht um ein Billett, das an der Kasse vor dem Bundeshaus verkauft wird. (Symbolbild)

Im Vorfeld der Bundesratswahlen wird oft das Wort «Wahlticket» oder «Ticket» verwendet. Etwa in der Frage, ob eine oder zwei Personen von der FDP auf das «Ticket» nominiert werden. Nun kommt das Wort «Ticket» in keinem Schweizer Gesetzestext vor, es wird von den Medien und den Politikern aber sehr gerne verwendet. Auch wenn wir im alltäglichen Sprachgebrauch das Wort «Ticket» sonst im Sinn eines Eintrittsbilletts verwenden. Bei den Bundesratswahlen geht es aber nicht um ein Billett, das an der Kasse vor dem Bundeshaus verkauft wird.

Der neue Sprachgebrauch für das Wort «Ticket» stammt aus den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Dort werden Präsident und Vizepräsident gemeinsam gewählt, sie kommen deshalb auf einem «Ticket». Das Stimmvolk – respektive in seinem Namen die Elektoren – kann nicht unterschiedliche Kombinationen wählen, sondern muss das Paar wählen, das vorgeschlagen wird. Das ist bei den Bundesratswahlen anders. Auch wenn die FDP ein «Dreierticket» vorschlägt, können die Mitglieder der Bundesversammlung nur eine Person in den Bundesrat wählen. Es gibt im Dezember nur eine «Einervakanz», es geht um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter. Und übrigens müssen sich die Parlamentarier auch nicht an die Vorschläge der Partei – in diesem Fall der FDP – halten. Insofern ist die Verwendung des Worts «Ticket» mehrfach irreführend.