Aargauer Gemeinderäte
Das sind die Gründe für den Frauenmangel

Nur jedes vierte Gemeinderatsmitglied im Aargau ist weiblich. Eine Veränderung ist nicht in Sicht. Der Kommentar.

Nadja Rohner
Nadja Rohner
Merken
Drucken
Teilen
Nur jedes vierte Gemeinderatsmitglied, das gewählt wird, ist weiblich. (Symbolbild)

Nur jedes vierte Gemeinderatsmitglied, das gewählt wird, ist weiblich. (Symbolbild)

ZVG

Fünfzig Prozent der Aargauer Bevölkerung sind Frauen. Und doch ist nur jedes vierte Gemeinderatsmitglied weiblich. Ein Missverhältnis, das sich auch bei den kommenden Gesamterneuerungswahlen nicht ändern wird. Das zeigt eine Erhebung der az bei rund 60 Gemeinden im Westaargau.

Ist das ein Ruf nach einer Frauenquote? Nein. Gewählt werden soll, wer qualifiziert ist. Und doch ist es bedenklich, in wie vielen Gemeinderäten keine einzige Frau vertreten ist. In Densbüren (700 Einwohner) zum Beispiel. Dort hat es seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 erst eine einzige Gemeinderätin gegeben.

Warum ist das so? Es gibt geschlechterunspezifische Faktoren wie tiefe Entschädigung für das Gemeinderatsamt, fehlende Wertschätzung, Vollzeitpensum. Wer sich bei Personal-Rekrutierern der Parteien umhört, merkt schnell, wo die spezifischen Gründe für den Frauenmangel liegen.

Fehlende Zeit: Viele Männer haben eine Frau im Hintergrund, die ihnen den Rücken freihält und Organisatorisches abnimmt. Umgekehrt ist das leider oft noch nicht so.

Fehlendes Selbstvertrauen: «Was, wenn ich ein Ressort bekomme, von dem ich nichts verstehe?» – «Wie stehe ich da, wenn ich nicht gewählt werde?» – «Habe ich wirklich genügend Zeit?» Mit diesen Fragen beschäftigen sich Frauen viel intensiver als Männer.

Fehlender Ehrgeiz: Frauen werden lieber angefragt, anstatt sich selber ins Gespräch zu bringen. So können sie leicht übersehen werden.

Ein Patentrezept für mehr Frauen in der Politik gibt es nicht. Die Aufzählung zeigt aber, wo der Hebel anzusetzen ist.

Diese Frauen wollen das Gemeindepräsidium Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde
10 Bilder
Ruth Imholz Strinati (44, parteilos, bisher), Brunegg
Marianne Horner (48, parteilos, neu als Ammann), Ammerswil
Katrin Burgherr (42, SVP, neu als Ammann), Reitnau
Angelica Cavegn (57, Pro Aarau, neu als Präsidentin), Aarau
Janine Murer (48, parteilos, bisher), Leimbach
Andrea Kuzma (41, SVP, bisher), Dürrenäsch
Silvia Morgenthaler (60, parteilos, bisher), Moosleerau
Monika Schenker (52, CVP, neu als Präsidentin), Erlinsbach
Jacqueline Hausmann (47, SVP, neu als Ammann), Holziken

Diese Frauen wollen das Gemeindepräsidium Marliese Loosli (39, FDP, bisher), Schmiedrued-Walde