O-Ton
Das Schweigen der Lämmer

"Persönlich"-Chefredaktor Matthias Ackeret wundert sich, warum das Ende der Publicitas im Gegensatz zu anderen Themen wie "No-Billag", Admeira oder die SDA kein grosses Medienecho erhält.

Matthias Ackeret
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Lichter aus: Die Werbevermarkterin Publicitas hat Konkurs angemeldet.

Lichter aus: Die Werbevermarkterin Publicitas hat Konkurs angemeldet.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Noch vor zwei Monaten die letzten Erfolgsmeldungen: Einweihung der neuen Publicitas-Filiale in Genf und Verlängerung der Zusammenarbeit mit den SBB. Vor einer Woche aber kam das abrupte Ende einer 128-jährigen Geschichte: durch Konkurs. Die «P» war mehr als ein normaler Anzeigenvermittler, sie war ein Mythos. Für die Verleger übernahm sie die Rolle einer fürsorgenden Mutter, einer Domina und eines Sündenbocks. Und dies in Personalunion, mit wechselnder Reihenfolge.

Umso erstaunlicher ist der publizistische Widerhall. Denn dieser ist erstaunlich gering. Wie viele Druckerschwärze wurde über Admeira, die SDA, die «No Billag»-Initiative oder den Verkauf der BaZ verwendet. Oder den Bündner Bauskandal. Bei der «P» herrschte dezenteste Zurückhaltung: Der «Tages-Anzeiger» brachte eine grössere Agenturmeldung, die «SonntagsZeitung» gar nichts. Kein Wort darüber, dass die Tamedia wegen ihres plötzlichen Ausstiegs kritisiert wurde. Dafür analysiert die «NZZ am Sonntag» ganzseitig den Untergang der «P». Ab 2002 habe der Abstieg mit aller Macht begonnen. Dass die «NZZ» in dieser Zeit ihren gesamten Anzeigenverkauf an die Publicitas abgetreten hatte, übersieht das Blatt grosszügig. Damit verlor die «P» aber ihre viel beschworene Neutralität.

So stirbt die «P», wie es in Todesanzeigen heisst, sanft – und vor allem still. Noch vor zehn Jahren drohten die Verantwortlichen mit der Verlegung ihres Geschäftssitzes in das chinesische Schanghai. Jetzt sind die Konkursämter in Wallisellen und Aussersihl-Zürich zuständig. Für die gebeutelte Zeitungsbranche ein weiteres Desaster.