Kommentar
Das Internet ersetzt den Parteitag nicht

Die Grünliberale Partei Kanton Solothurn hat die Parolen für die nächste Abstimmung via elektronische Mitgliederbefragung gefasst. Ein Modell zum Nachahmen?

Mathias Küng
Mathias Küng
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Sollen Parteitage künftig online stattfinden? (Symbolbild)

Sollen Parteitage künftig online stattfinden? (Symbolbild)

Keystone

Parolenparteitage wären heute technisch problemlos online möglich. Für Grundsatzabstimmungen bietet sich so etwas sogar an, ist dabei doch die Beteiligung meist sehr hoch. Empfehlen sich Online-Abstimmungen auch für unwichtige oder unumstrittene Vorlagen? Das ist gut denk- und machbar, aber nicht nötig, kann doch hier ein Partei- oder Verbandsvorstand die Parole fassen und so die Mitglieder entlasten.

Die Parteien haben allerdings im Abstimmungs- und Wahlkampf eine zentrale Funktion für die Meinungsbildung der Bevölkerung. Die will nicht nur wissen, was eine Partei empfiehlt, sondern auch warum. Oder warum sie bei einer Vorlage innerlich zerrissen ist. Bei blossen Online-
parolen müssten künftig Politologen über deren Gründe orakeln. Das bitte nicht.

An Parteitagen kann man die Meinungsbildung live miterleben. Man sieht und hört, welche Argumente überzeugen und welche nicht. Da erlebt man manchmal auch Überraschungen. Der jüngste SVP-Parteitag ist ein Beispiel für die Dynamik eines Parteitages, die eine Onlinebefragung nicht bieten kann. Da kehrte ein clever argumentierender Professor die Ecopop-Neinvorlage der SVP Schweiz in ein Ja der SVP Aargau.

Parteitage, an denen mit Herzblut um eine Position gerungen und am Schluss entschieden wird, zeigen, wie wertvoll und unersetzlich der Widerstreit der Argumente und die Auseinandersetzung von Angesicht zu Angesicht sind. Das kann kein noch so tolles Online-Tool ersetzen.

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