Fleischpreis
Darfs es bitzeli viel meh si?

Beat Schmid
Beat Schmid
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Hohes Preisniveau: Fleisch ist in der Schweiz zweieinhalb Mal so teuer wie im EU-Schnitt. (Archiv)

Hohes Preisniveau: Fleisch ist in der Schweiz zweieinhalb Mal so teuer wie im EU-Schnitt. (Archiv)

Keystone/MARTIN RUETSCHI

Die Schweiz rühmt sich, in vielen Disziplinen zu den Weltbesten zu gehören. Zum Beispiel bei der Lebensqualität, bei der Wettbewerbsfähigkeit oder der Innovationskraft der Wirtschaft. Das ist toll, und wir sind stolz darauf. Überhaupt nicht stolz sein können wir auf ein weiteres Ranking: das Fleischpreisranking, in dem die Schweiz den absoluten Spitzenplatz einnimmt. In keinem Land der Welt ist das Fleisch auch nur annähernd so teuer wie in den Metzgerauslagen zwischen Rorschach und Genf.

In der Schweiz sind gewisse Produkte und Dienstleistungen teurer als anderswo. Preisunterschiede von bis zu 30 Prozent können zum Teil durch höhere Löhne und ein allgemein höheres Preisniveau erklärt werden. Wie eine Studie errechnet hat, liegen die Preise für Fleischprodukte aber nicht nur 30 Prozent über denjenigen im Ausland, sondern je nach Kategorie auch mal 150 oder über 200 Prozent. Diese Unterschiede können beim besten Willen nicht mehr mit höheren Löhnen erklärt werden.

Doch womit dann? Fragt man bei den Interessengruppen nach, hört man ausweichende Antworten und gegenseitige Schuldzuweisungen. Bauernverbandspräsident Markus Ritter sieht eine gewisse «Mitschuld» an den hohen Preisen bei den Bauern, andere führen die strengen Tierschutzverordnungen ins Feld, wieder andere geben den Metzgern oder den Schlachthöfen die Schuld. Man schiebt sich den schwarzen Peter zu. Niemand nennt die hohen Zölle, mit denen das Schweizer Fleisch vor ausländischer Konkurrenz geschützt wird. Doch es ist genau dieser Schutz, der träge macht, die Produktivität lähmt und den Erfindergeist oder Innovation erstickt – ausgerechnet jene Disziplin also, in der wir uns zu den Weltmeistern zählen.