Sprachriff
Da müssen wir mal ein Zeichen setzen

Ein Zeichen setzen! Aber nichts bewirken?

Heimito Nollé
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Der Ausdruck «ein Zeichen setzen» ist mehr denn je abgedroschen. Und Wirkung steckt kaum einmal hinter den Aktionen die unter diesem Motto laufen.

Der Ausdruck «ein Zeichen setzen» ist mehr denn je abgedroschen. Und Wirkung steckt kaum einmal hinter den Aktionen die unter diesem Motto laufen.

Keystone

Neulich wollten die Feministinnen der Juso mit einer Enthüllungsaktion wieder mal ein «Zeichen setzen». Wer heute mit einer menschheitsbeglückenden Botschaft unterwegs ist, kommt um diese Floskel nicht mehr herum. Vom Quartierverein über die Tierschutzorganisation bis zum Papst: Alle setzen sie ununterbrochen Zeichen.

Ging es früher bei politischen Aktionen darum, konkrete Forderungen durchzusetzen, begnügt man sich heute damit, Signale auszusenden und Zeichen zu setzen. Schon die Rhetorik ist verräterisch. Kampf für Klimaschutz und Weltfrieden? Ja, aber keine Sorge, es passiert nichts, es ist nur ein Zeichen! Kein Wunder, bedienen sich inzwischen auch Regierungen und Unternehmen der Phrase.

Vielleicht liegt es an diesem Mangel an Inhalt, dass sich die Rhetorik vom Zeichensetzen umso stärker ideologisch auflädt. Wer ein Zeichen setzt, will sich vor allem vergewissern, auf der richtigen Seite zu stehen. Er teilt die Welt in Gut und Böse, in Opfer und Täter. Für Zwischentöne ist meist kein Platz mehr. Wer zweifelt oder sich gar die Freiheit herausnimmt, eine eigene Meinung zu haben, fällt unweigerlich ins Feindeslager. Wer nicht für uns ist, ist eben gegen uns. Höchste Zeit, dagegen ein Zeichen zu setzen!