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Corona-Virus löst Flucht aus Aktien aus: Ärzte als Helden der Wirtschaft

Vor dem Corona-Virus sind all die topbezahlten Manager machtlos. Wie ihre normalbezahlten Mitarbeiter sind die Konzernchefs abhängig davon, was andere Normalbezahlte tun: Ärzte, Epidemiologen, sonstige Forscher.

Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel
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Zwei Pflegerinnen bereiten sich im Lausanner Uni-Spital auf einen Besuch in einem Isolationszimmer vor.

Zwei Pflegerinnen bereiten sich im Lausanner Uni-Spital auf einen Besuch in einem Isolationszimmer vor.

Keystone

In Zeiten des Corona-Virus gewinnt ein altes Zitat von George Orwell neue Bedeutung. Der britische Autor von «1984» schrieb in einem weniger bekannten Text: Wir seien alle fähig, Dinge zu glauben, von denen wir wüssten, dass sie nicht wahr sind. Es sei möglich, diesen Zustand auf unbestimmte Zeit fortzusetzen: Gestoppt werden könne dies einzig dadurch, dass früher oder später ein falscher Glaube auf die solide Realität trifft, normalerweise auf einem Schlachtfeld.

Im laufenden Kampf gegen das Corona-Virus scheint es einige Fälle zu geben, in denen ein falscher Glaube auf solide Realität trifft. Etwa jener an die unbeschränkte Fähigkeit der Zentralbanken, die Welt aus jeder Krise führen zu können. Diese Woche senkte die US-Notenbank ihren Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt. Doch die Flucht aus den Aktien hielt an. US-Staatsanleihen über 10 Jahren warfen erstmals weniger als 1 Prozent ab. Die Investoren rechnen also weiterhin mit herben Wachstumseinbussen.

Oder der Glaube, dass sich die exorbitanten Löhne von Managern und Verwaltungsräten mit Leistung rechtfertigen lassen. Vor dem Corona-Virus sind all die topbezahlten Manager machtlos. Alles, was sie in ihren Amtszeiten erreicht zu haben glauben, ist in den Augen der Investoren vor dem Virus nichtig. Die Kurse fallen. Wie ihre normalbezahlten Mitarbeiter sind die Konzernchefs abhängig davon, was andere Normalbezahlte tun: Ärzte, Epidemiologen, sonstige Forscher. Und davon, dass Hände gewaschen werden.

Ob in diesen Corona-Zeiten wirklich umgedacht wird, muss sich zeigen. Wie Orwell ja auch sagt, wird auch ein falscher Glaube ungern aufgegeben.