Kommentar
Chic, aber keine dauernde Bleibe

Das Herz des Pavillons ist der grosszügig geschnittene Wohnraum. Lichtdurchflutet, farbig gestrichen und mit einem robusten Parkett ausgestattet, bietet dieser Raum eine hohe Wohnqualität», heisst es in der Hochglanzbroschüre. Gezeigt wird ein sonnendurchfluteter Raum, der an ein Ferienhaus auf den schwedischen Schären erinnert. Doch hier wird nicht eine exquisite Liegenschaft angepriesen, sondern ein Holzhäuschen für Asylbewerber.

Martin Rupf
Martin Rupf
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Die beiden Jungunternehmer Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri vor ihrem Pavillon, den man noch bis zum Sonntag in Baden besichtigen kann.

Die beiden Jungunternehmer Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri vor ihrem Pavillon, den man noch bis zum Sonntag in Baden besichtigen kann.

Sandra Ardizzone

Ein Holzhäuschen, in dem auf nur gerade 36 Quadratmetern bis zu acht Asylbewerber leben sollen. «Kostengünstig, kompakt und menschwürdig», so der Slogan. Menschwürdig? Können Sie sich vorstellen, einen Raum – gerade mal so gross wie Ihre Stube – mit sieben anderen, vielleicht fremden Menschen zu teilen. Oder in Bettnischen zu schlafen, die lediglich durch einen dünnen Vorhang abgetrennt sind? Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass ein solcher Pavillon immer noch besser ist als eine Containerwohnung oder eine Unterkunft in einer Zivilschutzanlage.

Das mag zutreffen. Doch bei Container- oder Zivilschutzunterkünften weiss und sieht man, dass es sich um Provisorien handelt, in denen Asylsuchende nicht unnötig lange leben sollten. Beim stilvollen Holzpavillon könnten sich die Behörden aber dazu verleiten lassen, Asylsuchende über einen längeren Zeitraum darin wohnen zu lassen, obwohl er sich dazu schlicht nicht eignet. Weil zudem die Anschaffung eines solchen Pavillons eine Gemeinde nicht allzu viel kostet, könnte sie versucht sein, im Zweifelsfall lieber einen solchen Würfel auf eine Wiese zu stellen, statt sich um gute, langfristige Unterbringungsmöglichkeiten zu bemühen.

Der Pavillon ist vor allem deshalb so günstig, weil das Platzangebot auf ein absolutes Minimum beschränkt wird – womit die Pro-Kopf-Kosten sinken. Die beiden Jungunternehmer verteidigen ihr Konzept mit dem Argument, «wenn man in der ganzen Flüchtlingskrise etwas verändern und verbessern will, muss man dieses Spiel mitspielen». Wahrscheinlich haben die beiden das ausgeklügelte Projekt tatsächlich mit besten Absichten ins Leben gerufen – reich werden wollen sie laut eigenen Aussagen damit nicht.

Der schicke Pavillon mag an einer Ferien- oder Wohnmesse entzücken, für Asylsuchende, die ein Dach über dem Kopf brauchen, ist er nicht geeignet.

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