1.-August-Rede
Bundesräte als Helikopter-Patrioten

Henry Habegger
Henry Habegger
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Letztes Jahr redete er am fleissigsten – dieses Jahr hält Bundesrat Ueli Maurer keine 1. August-Rede.

Letztes Jahr redete er am fleissigsten – dieses Jahr hält Bundesrat Ueli Maurer keine 1. August-Rede.

Keystone

Wenn der Juli zu Ende geht, tritt in der Schweiz eine rare, aber nicht vom Aussterben bedrohte Gattung gehäuft auf: Bundesräte. Im patriotischen Wettstreit schiessen sie wie Pilze aus dem Boden. Manche erscheinen ihrem Volk auch aus der Luft, namentlich Johann Schneider-Ammann. Heuer wird er per Super Puma in fünf Gemeinden erscheinen.

Dieses Jahr werden von der Bundeskanzlei 19 magistrale August-Reden vermeldet, wie schon im Vorjahr; Bundeskanzler inklusive. Dabei wird geschummelt wie an der Tour de France. Aussenminister Ignazio Cassis lässt sich einen Abstecher von Mitte Juli zum Generalkonsulat in Mailand als 1.-August-Rede gutschreiben. Mag sein, dass der Ex-Doppelbürger bloss etwas verwechselt hat. Vermehrt werden auch Bauernhof-Frühstücke, also Verköstigungsakte, als 1.-August-Reden verbucht. Dieses Jahr sammeln auf diese Weise Punkte: Bundespräsident Berset auf einer Freiburger Alp, Doris Leuthard in Villmergen AG, Simonetta Sommaruga in Münsingen BE. Und Schneider-Ammann ist am Napf (LU) am Napf.

Die Formel «je mehr August-Reden, desto Patriot» hatte Christoph Blocher ersonnen, er war der Erfinder der Vielfach-Auftritte. Auch Helikopter-Patriotismus genannt. Letztes Jahr siegte Ueli Maurer im Wettstreit, er liess sich sechs Reden gutschreiben. Ob er alle hielt, ist zu bezweifeln. Vom Brunch in Moosseedorf BE wusste die Gemeinde nichts, jedenfalls war Maurer nicht auf dem Programm vermerkt. Eine Sperre trug ihm das nicht ein, dennoch ist der Vorjahressieger heuer nicht am Start.

Maurer hat keinen Bock auf 1. August und ist in Norwegen in den Ferien. Nach etwa 50 Jahren Politik und 150 1.-August-Reden hat er wahrscheinlich gesagt, was zu sagen war.