Kommentar
Brugger Wahlkampf war – zu – ruhig

Rund um die Einwohnerratswahlen Brugg blieb es verdächtig ruhig. Nur einzelne Kandidaten traten ins Rampenlicht. Der Kommentar.

Michael Hunziker
Michael Hunziker
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Rathaus Brugg

Rathaus Brugg

Aargauer Zeitung

Die Diskussionen haben sich vor allem um die Stadtammann-Wahl gedreht in Brugg: Die beiden Kandidaten – Barbara Horlacher von den Grünen und Titus Meier von der FDP – waren in den letzten Wochen und Monaten zugegen auf Plakaten und Inseraten, rückten sich in den sozialen Medien ins beste Licht, konnten zudem zählen auf breite Unterstützungskomitees.

Im Gegensatz zu diesem Engagement blieb es rund um die Einwohnerratswahlen verdächtig ruhig. Nur einzelne Köpfe waren auszumachen auf dem Stadtgebiet, nur einzelne Kandidaten traten mit speziellen Aktionen ins Rampenlicht. Wie Peter Haudenschild von der FDP, der sich bewusst an die älteren Einwohnerinnen und Einwohner wandte und einen Senioren-Stadtspaziergang organisierte an einem Samstagnachmittag. Die CVP ihrerseits machte mit einer originellen Plakat-Kampagne auf sich aufmerksam. Ihre Kandidaten taten am Strassenrand kund, wofür sie sich einsetzen: ob für die Fusion mit Schinznach-Bad, einen belebten Simmengut-Park, den Bau des Umiker-Stegs oder Tempo 30 in den Quartieren.

Klar, Werbung alleine ist kein Garant für einen Wahlerfolg. Davon kann die CVP ein Lied singen. Sie büsste 1,7 Prozent Wähleranteil ein. Gänzlich auf Plakate zu verzichten aber scheint ebenfalls keine Lösung. Die SVP ging dieses Wagnis ein, machte dafür im Vorfeld sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe geltend. Sie verlor schliesslich sogar 3,5 Prozent Wähleranteil.

Immer wieder war in den Leserbriefen zur Stadtammann-Wahl die Rede von
einem frischen Wind, von einem Aufbruch, der gefragt ist. Für den Einwohnerrat schien sich der Wunsch nach einer grösseren Veränderung – trotz einer Verschiebung Richtung Rot-Grün – in Grenzen zu halten. Stärkste Kraft bleibt die FDP, die mit 37 336 Parteistimmen klar obenaus schwang.

Im Stadtparlament sind oft die Persönlichkeiten entscheidend, weniger die Parteizugehörigkeit oder das Parteiprogramm. Politisiert wird in der Regel – glücklicherweise – ideologisch unbelastet. Aber selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung offensichtlich zufrieden ist mit der Arbeit der Politiker: Da und dort etwas mehr Leben, etwas mehr Gesprächsstoff hätte nicht geschadet in diesem doch etwas faden Wahlkampf. Vielleicht wäre dann auch die Stimmbeteiligung höher ausgefallen.