Helsana
Bitte kein Kotau vor der Pharma

Die Krankenversicherung Helsana will das Bundesamt für Gesundheit wegen der Medi-Preise verklagen. Der Kommentar.

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Die Helsana ist überzeugt, dass die Prämienzahler dank tieferen Preisen stark entlastet werden könnten.

Die Helsana ist überzeugt, dass die Prämienzahler dank tieferen Preisen stark entlastet werden könnten.

Keystone

Es ist wohl ein einmaliger Vorgang. Die Krankenkasse Helsana will gegen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) klagen. Der Frust über die zu hohen Medikamentenpreise liegt derart tief, dass die Krankenversicherung offenbar keinen anderen Weg mehr sieht, als zu diesem drastischen Mittel zu greifen.

Letztmals senkte das BAG die Arzneimittelpreise zwischen 2012 und 2014. Seither verharrten die Preise auf diesem Niveau, obwohl der Franken zum Euro und anderen europäischen Währungen deutlich zulegte. Dies ist deshalb entscheidend, weil die hiesigen Medikamentenpreise mit jenen in neun europäischen Ländern verglichen werden.

Man muss sich das einmal vorstellen. Als einzige Branche profitiert die Pharmaindustrie von einem «Euro-Rabatt», obwohl sie zu jenen Branchen gehört, welche die höchsten Margen überhaupt aufweist. Das BAG liess sich durch Klagen der Medikamentenhersteller derart einschüchtern, dass sich das Amt nun nicht mehr traut, mit der vollen Härte des Gesetzes die Preise zu senken. Denn schon einmal verlor die oberste Gesundheitsbehörde des Landes gegen die Pharmaindustrie vor Bundesgericht.

Doch nun in vorauseilendem Gehorsam zu handeln und die Auseinandersetzung mit der Branche vor Gericht zu scheuen, ist kein gangbarer Weg. Letztlich ist es das BAG, das mit seiner Preisfestsetzung darüber entscheidet, wie viel wir Prämienzahler für kassenpflichtige Medikamente bezahlen. Das Amt sollte dazu übergehen, nicht mehr länger vor der Pharmaindustrie zu kuschen, sondern als Anwalt der Bevölkerung zu handeln.

andreas.moeckli@azmedien.ch