Kommentar
Bildung hält uns auf Trab

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Gemäss revidiertem Vorschlag der Regierung verschwindet im Aargau kein Berufsschulstandort.

Gemäss revidiertem Vorschlag der Regierung verschwindet im Aargau kein Berufsschulstandort.

Chris Iseli

Die jüngsten Tage zwischen Frost und Hitze bescherten uns gleich mehrere Bildungsthemen. In der öffentlichen Debatte fanden sie mal mehr, mal weniger Beachtung.

Zum Beispiel: Gemäss revidiertem Vorschlag der Regierung verschwindet im Aargau kein Berufsschulstandort.

Man kann das gut finden. Denn so wird keine Region zur Verliererin, es gibt keinen Radikalschnitt so wie damals, als die Region Brugg ihr Spital verlor. Man kann es aber auch schlecht finden.

Denn in Zeiten hektischen Sparens wäre es eigentlich angezeigt, das Maximum an strukturellen Synergien herauszuholen, statt am inhaltlichen Bildungsangebot zu sparen. Wir neigen eher zur zweiten Haltung.

Oder: Gemäss neuster kantonaler Schüler- und Lehrerstatistik wollen immer mehr Lehrer nur noch Teilzeit arbeiten. Bei Lehrerinnen kennen wir das Phänomen schon länger, doch nun breitet es sich auch unter Männern aus. Eigentlich läuft das bildungspolitische Ziel ja in die andere Richtung: Wir bräuchten wieder mehr «Vollzeit-Männer» im Schulzimmer. Was läuft falsch? Da wir nicht davon ausgehen, dass Lehrer generell Memmen sind, wird es wohl dies sein: Der Wechsel von der «Pädagogik pro Klasse» (als ein Lehrer noch 40 Kinder «voll» unterrichtete) hin zur individualisierenden «Pädagogik pro Kind» hat die Anforderungen an eine Lehrkraft extrem stark gesteigert.

Sodann: Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der nebenher auch noch Bildungsminister ist, hat erneut vor zu vielen Maturanden gewarnt. Er will die Bestehensnorm durch Streichung gewisser Kompensationsmodelle verschärfen. Nun, diese Warnung mag dort diskutiert werden, wo die Maturquote tatsächlich (zu) hoch liegt, in Basel, im Tessin, in der Romandie. Im Aargau aber liegt die Quote immer noch deutlich unter 20 Prozent. Dafür ist die Studienabbrecherquote extrem tief. Will heissen: Hier brauchen wir auf dem Weg zur Matur keine höher gesetzten Hürden. Wir schicken die Richtigen ins Gymnasium. Und nicht zu viele.

Schliesslich: Die Bildungskommission des Grossen Rates empfiehlt «grossmehrheitlich», die Volksinitiative gegen den Lehrplan 21 ohne Gegenvorschlag abzulehnen – unter anderem, weil sie den neuen Lehrplan durch blosse Änderung des Schulgesetzparagrafen 13 gar nicht verhindern kann. Sie kann ihn höchstens durch Einschränkungen im Fächerangebot verschlechtern. Es ist anzunehmen, dass der Gesamtrat im Juni zum selben Ergebnis kommt. Ein Nein der Politik sichert allerdings nicht automatisch ein Nein in der Volksabstimmung. Das wissen wir aus reicher Erfahrung, zuletzt mit der Volksinitiative «Mundart im Kindergarten».