Apropos
Befreiende Blamagen

Maria Brehmer
Maria Brehmer
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WC-Papier am Schuh: Ist das Ihnen auch schon passiert?

WC-Papier am Schuh: Ist das Ihnen auch schon passiert?

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Liebe Leserinnen und Leser. Finden Sie es peinlich, wenn Ihnen nach dem Gang auf die Toilette ein Stück WC-Papier am Schuh kleben bleibt und Sie es zu spät bemerken? Wenn Ihnen mitten in der Stadt die volle Einkaufstüte reisst? Wenn Sie dem Arbeitskollegen betrunken Ihre Liebe gestehen? Oder schämen Sie sich gar für gar nichts?

Seit Jahren versuche ich (mal mehr, mal weniger erfolgreich), mein Peinlichkeitsempfinden zu zügeln. Ich werde seltener rot, wenn ich bei Vorträgen patze, ich traue mich, jemandem meine Gefühle zu offenbaren – ja ich kann sogar damit leben, wenn ich auf hohen Absätzen stolpere. Andere sind sich schliesslich auch nicht zu schade, etwa in einer Ausstellung ihr Unwissen über zeitgenössische Kunst (lauthals!) zu äussern. So wie Kinder, die das Gefühl von Pein noch nicht kennen: Sie gehen offen und neugierig in die Welt hinaus. Ja, so will ich auch sein.

Doch jetzt das. In einem Interview mit einem Psychologen las ich: Schamlose neigen zur Selbstüberschätzung. Sie erstarren in Routinen und landen in geistiger Unbeweglichkeit. Peinlichkeiten sind produktive Irritationen, die wir hin und wieder brauchen, um uns selbst zu hinterfragen. Um uns letztlich nicht dafür zu schämen, dass ... ach, ich weiss doch auch nicht.

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