Ärtzemangel
Ausnahmen müssen möglich sein

Seit Mitte März 2017 gelten im Aargau schärfere Kriterien für ausländische Ärzte. Ein Kommentar.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Im Aargau soll der Zulassungsstopp für ausländische Ärzte wieder gelockert werden.

Im Aargau soll der Zulassungsstopp für ausländische Ärzte wieder gelockert werden.

Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Als der Kanton Aargau im März 2017 die Zulassungsbedingungen für ausländische Ärzte verschärfte, waren markige Worte zu hören. «Lieber kein Arzt als ein qualitativ ungenügender Arzt», hiess es beim kantonalen Ärzteverband. Und die neue Gesundheitsdirektorin Franziska Roth sagte, es sei möglich, «dass eine Praxis nicht neu besetzt werden kann, weil sich womöglich nur ein Interessent aus Griechenland oder Ex-Jugoslawien mit Sprachhandicap dafür meldet».

Nicht einmal elf Monate später krebst der Kanton zurück. Nun soll es wieder Ausnahmebewilligungen für ausländische Ärzte geben, auch wenn sie zuvor weniger als drei Jahre in der Schweiz gearbeitet haben. Muss sich die oft kritisierte Franziska Roth nun Wendehalspolitik vorwerfen lassen?

Auf den ersten Blick mag es so scheinen, zumal sie im Frühling 2017 betonte, der Zulassungsstopp werde aus Qualitäts- und nicht aus Spargründen eingeführt. Seither hat sich wohl nichts daran geändert, dass ausländische Ärzte das hiesige Gesundheitssystem schlecht kennen oder ihre Sprachkenntnisse mangelhaft sind.

Die strikte Regel trifft aber auch Bewerber wie den 43-jährigen Deutschen, der in Würenlingen die Praxis eines pensionierten Hausarztes übernehmen wollte. Das verstehen die Patienten nicht, die auf dem Land kaum einen neuen Hausarzt finden.

Der Entscheid, den Zulassungsstopp wieder zu lockern, ist kein Hüst und Hott, sondern eine sinnvolle und pragmatische Reaktion auf ein ungelöstes Problem. Und der Aargau ist nicht allein damit, auch Zug und Freiburg kennen Ausnahmen.

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