Kommentar
Auf der Suche nach Werten

Jeder Trend hat einen Gegentrend. Die Digitalisierung macht handfeste Retro-Produkte wieder Salonfähig. Und das aus gutem Grunde.

Lina Giusto
Lina Giusto
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Die Alpakamera wird seit 1996 wieder hergestellt. 1946 wird die Marke in der Schweiz erstmals registriert. In den 60er-Jahren erlebt die Kameramarke ihren Höhepunkt. Es folgt der Abstieg, der 1990 im Konkurs endete. 1996 wird Alpa wieder belebt.
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Die Armbanduhr von Blancpain hat das Revival erfolgreich geschafft
Das Geschäft mit der Nostalgie
Zum 50. Jubiläum bringt Technics einen neuen Plattenspieler auf den Markt. In den Sechzigern wurde Technics mit dem Plattenspieler SL-1210 weltweit bekannt. Das Modell mauserte sich zum klassischen Diskotheken-Plattenspieler. 2010 ging das in der Unterhaltungselektronik am längsten produzierte Produkt vom Markt. Zum 50. Geburtstag wird der Plattenspieler Grand Class SL 1200 G neu lanciert.
Auch Vivi Kola ist seit 2010 wieder im Rennen. Die erste Schweizer Kola kam 1938 auf den Markt. 1949 wird das koffeinhaltige Getränk offiziell zum «Radrennfahrerbier». 1986 stellt die Feldschlösschen AG die Produktion in Eglisau ein und stellt auf Pepsi um. 2010 wird die Eglisauer Dorflimonade neu lanciert.
Bekanntheit erlangte es durch das Sponsoring an der Tour de Suisse in den 40er-Jahren.
Das Cilo Rennrad verschwand 2005 endgültig von der Bildfläche

Die Alpakamera wird seit 1996 wieder hergestellt. 1946 wird die Marke in der Schweiz erstmals registriert. In den 60er-Jahren erlebt die Kameramarke ihren Höhepunkt. Es folgt der Abstieg, der 1990 im Konkurs endete. 1996 wird Alpa wieder belebt.

ZVG

Besitzer eines Smartphones könnten auf die Hälfte des Hausrates verzichten. Ein analoger Wecker ist überflüssig. Der Plattenspieler ist nur ein Staubfänger, denn Musik gibts über den Streamingdienst. Der Kalender an der Wand ist mindestens drei Jahre alt, Termine werden da auch nicht mehr eingetragen. Fotos klebt man nicht mehr ins Fotobuch, sondern räumt sie säuberlich in einem digitalen Ordner auf der Computer-Festplatte weg.

Obschon einige der Gegenstände nicht wirklich notwendig sind, verzichten die Wenigsten von uns darauf. Wie kahl und unwohnlich die Wohnung ohne sie doch wäre. Wir besitzen also Gegenstände, weil sie uns Halt geben. Sie haben über Jahre hinweg Bestand bewiesen. Und sind damit zu treuen Wegbegleitern geworden. Genau dieses Bedürfnis nach einer Verbindung zu Früherem steckt hinter dem Nischengeschäft mit der Nostalgie.

Jeder Trend hat also seinen Gegentrend. Die Digitalisierung und die damit verbundene Geschwindigkeit können überfordern und verunsichern. Die Rückbesinnung auf Sachwerte ist vielleicht auch ein verzweifelter Versuch der Entschleunigung. Es ist schön, dem Knistern zu lauschen, wenn die Nadel in die Plattenrille einsetzt. Es ist schön, einen Kalender mit Fotos vom letzten Urlaub an die Wand zu hängen. Doch ob Nostalgie die Geschwindigkeit tatsächlich bremst, steht auf einem anderen Blatt geschrieben – immerhin mit echter Tinte.