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Auch Frau Lüscher tut es immer wieder

Jörg Meier
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TV-Koch und Moderator Horst Lichter.

TV-Koch und Moderator Horst Lichter.

Keystone

Frau Lüscher hat wieder angerufen. Ob ich die Sendung «Bares für Rares» kenne, fragte sie.
«Bares für Rares» wiederholte ich und überlegte. «Ja», sagte ich. «Meine Schwiegermutter liebt die Sendung. Vor allem der Moderator hat es ihr angetan, der mit dem gewaltigen Schnauz ...»

«Der Horst Lichter», fiel mir Frau Lüscher ins Wort, ja, der gefalle ihr auch und die Sendung sowieso. Sie schaue, wenn immer möglich, eigentlich fast jeden Tag. Ihr Mann mache schon dumme Sprüche über ihr Suchtverhalten oder über Horst; aber das sei ihr egal. Bei den Händlern, da komme der Ludwig Hofmaier am besten draus. Der sei auch sonst ein lustiger Mensch. 1967 sei er im Handstand von Regensburg in den Vatikan gepilgert, 1000 Kilometer weit.

Ich wurde ungeduldig, aber Frau Lüscher liess sich nicht stoppen. Sie habe gegoogelt: «Bares für Rares» sei die erfolgreichste Nachmittagssendung im deutschen Fernsehen, letztes Jahr habe das ZDF mit allen Wiederholungen über 1000 Stunden «Bares für Rares» gesendet. Ihre Freundinnen schauten übrigens alle auch.

«Was hat das mit mir zu tun?», fragte ich. «Sie haben doch auch ein Fernsehen bei Ihrer Zeitung», sagte Frau Lüscher, – und ich solle die vom Fernsehen doch bitte ermuntern, auch so eine «Bares für Rares»-Sendung zu machen, einfach schweizerisch. Da würde sie sicher nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen. Sie habe noch einige schöne Sachen auf dem Estrich.

Dann brach Frau Lüscher das Gespräch abrupt ab. «Oha», sagte sie, «es ist gleich fünf nach drei.» «Fünf nach drei?», fragte ich. Doch sie hatte schon aufgelegt. «Bares für Rares» hatte gerufen.