Kommentar
Anlegen mit gutem Gewissen

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Wer zu viel Dreck in die Umwelt bläst, fällt aus dem Anlageportfolio des Rückversicherers Swiss Re.JUSTIN LANE/EPA/Key

Wer zu viel Dreck in die Umwelt bläst, fällt aus dem Anlageportfolio des Rückversicherers Swiss Re.JUSTIN LANE/EPA/Key

KEYSTONE

Sie heissen Syngenta, British American Tobacco oder Lockheed Martin. Sie stellen Pestizide, Gentech-Saatgut, Zigaretten oder Kampfjets her. Die einen mögen das verwerflich finden, andere zucken beim Gedanken an krebserregende Zigaretten oder Rüstungsgüter für Kriegszwecke mit den Schultern. Unbesehen davon, welche Haltung man zu solchen Konzernen einnimmt: Es ist gut, dass Grossanleger begonnen haben, ihre Wertschriftenanlagen auch unter moralischen und ethischen Gesichtspunkten zu tätigen. Die Stichworte dazu sind Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung.

Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass Swiss Re zu den Vorreitern zählt. Doch denkt man an die immer heftigeren Naturkatastrophen, so wird das Motiv des Rückversicherers klar. Denn bald könnten die Schäden so gross werden, dass sie gar nicht mehr versicherbar sind. Swiss Re verlöre so einen wichtigen Geschäftsteil.

Bislang konnten sich die Beteiligten aber nicht auf einen einheitlichen Standard einigen, anhand welcher Kriterien Aktien oder Obligationen gekauft werden sollen. Das hat Vor- und Nachteile. Werden die Kriterien vereinheitlicht, so wird ein globaler Standard geschaffen, der weder lokalen noch kulturellen Eigenheiten gerecht wird. So werden etwa in den USA deutlich höhere Managerlöhne von der Gesellschaft akzeptiert als in Europa. Es wäre schlecht, wenn nun global plötzlich höhere Chefsaläre bezahlt würden.

Gibt es aber keine Standards, so kann im Prinzip jeder tun und lassen, was er will. Damit droht eine Verwässerung, etwa bei Umweltschutznormen. Das Ziel sollten darum globale Minimalstandards sein, die durch die Gegebenheiten des jeweiligen Landes oder der Region ergänzt werden können. Nur so werden Swiss Re & Co. auch ernst genommen.

andreas.moeckli@azmedien.ch

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