Polemik
Alles nur noch «zeitnah»

Andreas Schaffner
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Diese «Nähe zur Zeit», wie ist sie zu verstehen? (Archiv)

Diese «Nähe zur Zeit», wie ist sie zu verstehen? (Archiv)

Keystone

Wie nicht wenige Leserzuschriften zeigen, schätzt man es nicht, wenn die deutsche Sprache aktiv mit Anglizismen durchdringt wird. Als Gegenüber ist man dann immer wieder bemüht, diese Stilblüten mit einer Art Eigendynamik der Sprache zu begründen.

Wie einseitig und kurzgegriffen diese eigene Begründung im Grunde ist, wird einem spätestens dann klar, wenn ein Gesprächspartner etwa anfängt von «Risiken nehmen» zu sprechen – anstelle von «Risiken eingehen». Oder eben in Mails vermehrt der Begriff «zeitnah» erscheint, anstelle eines klaren Zeitbegriffs oder möglicherweise gar, um das Wort «sofort» zu vermeiden.

Ich frage mich: Was will mir der Absender wirklich sagen? Diese «Nähe zur Zeit», wie ist sie zu verstehen? Es ist ja immer so, dass die Zeit naht. Und wenn die Zeit naht, welche Folgen soll das dann für das eigene Tun haben? Soll man eine Arbeit sofort erledigen, eine Mail-Antwort sofort formulieren?

Die scheinbare Wahlfreiheit, die mit dem Begriff zum Ausdruck gebracht wird, wird damit ins Absurde gerückt. Für mich ist deshalb klar: Wer den Begriff «zeitnah» wählt, möchte am liebsten sofort eine Antwort. Alles andere macht keinen Sinn.

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