Homosexualität
Aargauer Seelsorger subversiv ans Ziel

Ein Pfarrer in Bürglen soll seines Amtes enthoben werden, weil er ein lesbisches Paar gesegnet hat. Im Aargau gehen Seelsorger etwas subtiler, aber nicht weniger erfolgreich vor. Ein Kommentar.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Homosexualität Homosexuelle Schwule (Symbolbild)

Homosexualität Homosexuelle Schwule (Symbolbild)

Keystone

Die ganze Schweiz redet über den katholischen Pfarrer von Bürglen, der ein lesbisches Paar gesegnet und damit den Zorn der Kirchenoberhäupter auf sich gezogen hat. An diesem Fall entzündet sich einmal mehr eine Debatte über die Diskrepanz zwischen den Dogmen der Kirche und der gesellschaftlichen Realität.

Während der Urner Pfarrer von den einen verteufelt und den anderen heroisiert wird, segnen jenseits des Scheinwerferlichts Seelsorger im Kanton Aargau still und seelenruhig ebenfalls homosexuelle Paare. Weil sie die Partner formal einzeln segnen und nicht als Paar, schaut ihre Bistumsleitung darüber hinweg. Man mag dieses Vorgehen für schlaumeierisch halten. Jedenfalls ist es pragmatisch und ebenso zielführend. Die segnungsfreudigen Seelsorger an der Basis schaffen so – fast etwas subversiv – Tatsachen. Vor denen kann die Kirche nicht ewig die Augen verschliessen, will sie eine Volkskirche bleiben.

Bevölkerung und Politik gehen nämlich einen fundamental anderen Weg als die Kirche. Die Rechtskommission des Nationalrats hat sich für die Initiative «Ehe für alle» ausgesprochen. Auch im Volk ist die Meinung klar: Gemäss einer aktuellen Umfrage finden über zwei Drittel der Schweizer, dass auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen.

Eine Volkskirche ohne Volk verspielt ihre Legitimation. Das mag sogar im Sinne der religiösen Hardliner sein, die lieber eine homogene Gemeinschaft von Strenggläubigen hätten. Wie die Entwicklung vieler evangelikaler Freikirchen zeigt, ist der Weg zu einer Sekte dann indes nicht mehr weit.

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